Allgemeine Informationen

Geflüchtete und Zugewanderte mit Unterstützungsbedarf werden im Rahmen einer intensiven, bis zu 26-wöchigen Berufsorientierung und -vorbereitung schrittweise auf eine Berufsausbildung vorbereitet und dabei kontinuierlich begleitet.

Ein Ausbilder und eine Teilnehmerin schauen sich ein Dokument an.

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Mit der „Berufsorientierung für Flüchtlinge – BOF“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) werden junge nicht mehr schulpflichtige Geflüchtete und Zugewanderte mit Unterstützungsbedarf auf ihrem Weg in eine Ausbildung unterstützt. Während der BOF-Kurse lernen die Teilnehmenden Fachsprache und Fachkenntnisse für den angestrebten Ausbildungsberuf und werden von einer Begleiterin oder einem Begleiter individuell unterstützt. BOF-Kurse finden in Lehrwerkstätten und Betrieben statt.

Mit der am 29.03.2019 veröffentlichten Förderrichtlinie gibt es sowohl eine Öffnung auf weitere Berufe als auch eine Erweiterung der Zielgruppe.

Die wichtigsten Informationen zur geänderten Richtlinie vom 29.03.2019

  • Öffnung für weitere Berufe: Neben dem Handwerk besteht auch für weitere Berufe ein hoher Bedarf an Unterstützungsangeboten zur Integration in Ausbildung. Entsprechend kann die durchführende Berufsbildungsstätte die Teilnehmenden mit BOF-Kursen auch auf weitere Ausbildungsberufe neben dem Handwerk vorbereiten, die einen berufsqualifizierenden Abschluss vorsehen. Antragsberechtigt sind neben Trägern von Überbetrieblichen Berufsbildungsstätten nun auch damit vergleichbare Berufsbildungsstätten.
  • Erweiterung der Zielgruppe: Viele Neuzugewanderte mit oder ohne Fluchterfahrungen benötigen häufig aufgrund noch nicht ausreichend vorhandener Kenntnisse der deutschen Sprache oder fehlender Kenntnisse über das Ausbildungssystem individuelle Unterstützung zur Aufnahme einer beruflichen Ausbildung. Die bisherige Zielgruppe „Geflüchtete“ wurde daher um „Zugewanderte mit migrationsbedingtem Förder- und Sprachunterstützungsbedarf“ erweitert.
  • Eignungseinschätzung durch die Bildungsträger: Mit der neuen Förderrichtlinie haben die durchführenden Berufsbildungsstätten die Aufgabe, das Potenzial und die Kompetenzen der interessierten Personen für eine spätere Vermittlung in die angestrebte Ausbildung festzustellen. Dazu zählen Deutschsprachkenntnisse, schulische Grundkenntnisse sowie personale, soziale und methodische Kompetenzen. Für die Erweiterung der Aufgaben wurden die Teilnehmerfestbeträge von 307€ auf 350€ je Teilnehmender und Woche angehoben.
  • Start mit allgemeiner Berufsorientierung: Während der Werkstatttage bekommen die Teilnehmenden zunächst eine individuell ausgestaltete allgemeine berufliche Orientierung in verschiedenen Berufsfeldern, bevor sie wie bisher in ein bis drei Ausbildungsberufen vertiefte Einblicke erhalten.
  • Integrierte Vermittlung berufsbezogener Sprach- und Fachkenntnisse: Fachinhalte gezielt in den Sprachunterricht einzubringen, sprachbewusster Fachunterricht und sprachbewusstes Arbeiten in der Werkstatt und im Betrieb fördern eine erfolgreiche Vorbereitung auf die zukünftigen Anforderungen der Ausbildung. Die integrierte Vermittlung berufsbezogener Sprach- und Fachkenntnisse ist daher ein zentraler Bestandteil des BOF-Konzepts.
  • Gewinnung von Teilnehmenden und Betrieben: Neben der Teilnehmergewinnung hat die Berufsbildungsstätte verstärkt die Aufgabe, rechtzeitig Betriebe für die Betriebsphase zu gewinnen. Darüber hinaus ist dafür Sorge zu tragen, dass allen geeigneten und gewillten BOF-Absolventen/-innen ein Ausbildungsverhältnis oder eine Einstiegsqualifizierung angeboten wird. Dafür arbeitet die Berufsbildungsstätte mit den jeweils zuständigen Stellen und regionalen Branchenverbänden vor Ort zusammen.

Teilnehmerauswahl

Vor Beginn eines BOF-Kurses wird geprüft, ob die interessierte Person das Potenzial und die Kompetenzen für eine spätere Vermittlung in die angestrebte Ausbildung mitbringt. Hierzu zählen sowohl Deutschsprachkenntnisse als auch schulische Grundkenntnisse sowie personale, soziale und methodische Kompetenzen.

Werkstatttage zur Orientierung und Vorbereitung auf eine Ausbildung

Ein Teilnehmer kleistert eine Tapete die auf einem Tapeziertisch liegt ein. Der Ausbilder schaut ihm zu.

BOF / BMBF Fotograf: Fulvio Zanettini

Die Werkstatttage finden in den Werkstätten und Praxisräumen von Berufsbildungsstätten statt. Nach dem Kennenlernen verschiedener Berufsfelder können die Teilnehmenden hier ein bis drei Ausbildungsberufe kennenlernen, in denen sie sich eine Ausbildung vorstellen können. Neun bis maximal 18 Wochen lang testen sie, ob die ausgewählten Berufe tatsächlich ihrer persönlichen Eignung und Neigung entsprechen.

Während der Werkstatttage erfahren sie außerdem mehr zu Aufbau und Inhalten der dualen Ausbildung in den gewählten Berufen und werden sprachlich und fachlich auf die Anforderungen der Berufsschule vorbereitet.

Integrierte Vermittlung berufsbezogener Sprach- und Fachkenntnisse

Die Vorbereitung auf die Berufsschule erfolgt mit einem ganzheitlichen Ansatz zur Vermittlung berufsbezogener Sprach- und Fachkenntnisse: sprachbewusster Fachunterricht und sprachbewusstes Arbeiten sind auch in der Werkstatt oder den Praxisräumen umzusetzen. Fachinhalte sind in den Sprachunterricht einzubringen.

In der anschließenden Betriebsphase werden die Fach- und Sprachkenntnisse im Arbeitsprozess weiter vertieft.

Betriebsphase zur Erprobung des Wunschberufs

Drei Männer in blauen Overalls stehen in einer Werkstatt. Jeder hat etwas in der Hand.

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Auf der Grundlage ihrer Erfahrungen während der Werkstatttage entscheiden sich die Teilnehmenden für einen Ausbildungsberuf, den sie während der Betriebsphase in einem Betrieb weiter testen. Hier wenden sie, vier bis maximal 8 Wochen lang, die zuvor erworbenen Kompetenzen in der betrieblichen Praxis an. Umgekehrt lernt der Betrieb die potenziellen Auszubildenden kennen.

Teilnahme in Teilzeit möglich

Die Teilnahme an BOF ist auch in Teilzeit möglich. Dadurch ist gewährleistet, dass beispielsweise auch junge Frauen und Männer, die Kinder zu betreuen haben, an BOF-Kursen teilnehmen können. Bei Bedarf erhalten sie Unterstützung bei der Organisation der Kinderbetreuung.

Gewinnung von Teilnehmenden und Betrieben

Zwei Teilnehmer stehen an einer Tafel. Ein Teilnehmer schreibt mit Kreide etwas auf die Tafel.

BOF / BMBF Fotograf: Fulvio Zanettini

Für eine erfolgreiche Gewinnung von Teilnehmenden ist die Vernetzung mit relevanten Partnern in der Region sehr wichtig. Auf diese Weise können mehr junge Geflüchtete und Zugewanderte über Inhalte und Chancen der Teilnahme informiert werden. Damit ausreichend Betriebe für die Betriebsphase aber auch für eine anschließende Ausbildung zur Verfügung stehen, ist eine Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen und regionalen Branchenverbänden erforderlich.

Für die Gewinnung von Teilnehmenden und Betrieben können zusätzliche Mittel für bis zu einer halben Personalstelle beantragt werden.

Begleitung während der gesamten Maßnahme

Eine Teilnehmerin bearbeitet mit Hammer und Meißel ein Holzstück an einer Werkbank.

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Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer profitieren von einer intensiven, individuell auf sie zugeschnittenen Begleitung. Von der Begleitung erhalten sie regelmäßige mündliche Feedbacks und schriftliche Dokumentationen zu ihren Lernfortschritten. Die Begleitung sorgt auch für die Vermittlung der Teilnehmenden in eine Ausbildung oder gegebenenfalls in eine weiterführende Maßnahme. Zusätzlich ist eine ehrenamtliche Betreuung von Fachleuten im Ruhestand durch den Senior Expert Service (SES) möglich.

Ist ein direkter Übergang in eine Ausbildung nicht möglich, können die Teilnehmenden des BOF in einer weiterführenden Maßnahme (z.B. in einer Einstiegsqualifizierung) bis zum Beginn der Ausbildung weiter qualifiziert werden.


Projektförderung

Die geänderte BOF-Förderrichtlinie des BMBF ist am 29.03.2019 in Kraft getreten. Sie ersetzt die Richtlinie vom 29.08.2017. Sie gilt bis zum 31. Juni 2020. Maßnahmen müssen bis zum 31. Dezember 2019 enden.

Für Anträge, die vor dem Inkrafttreten der geänderten Förderrichtlinie bewilligt wurden, gelten die Förderbestimmungen der Richtlinie vom 29.08.2017 fort. Laufende Projekte können mit einem neuen Antrag von den Erweiterungen der aktuellen Förderrichtlinie profitieren.