Berufsorientierung in den brandenburgischen Oberstufenzentren

In zehn Aktionstagen probieren junge Geflüchtete und Asylsuchende verschiedene Berufsfelder des Handwerks aus und lernen dabei ihre Neigungen, Interessen und Fähigkeiten besser kennen.

Ein Teilnehmer schnitzt ein Stück Holz.

adam121 - Fotolia.com

Laufzeiten:        
Handwerkskammer Potsdam: 01.09.16 bis 31.12.17
Handwerkskammer Frankfurt/Oder: 01.09.16 bis 31.12.17
Handwerkskammer Cottbus: 04.09.17 bis 04.07.18

Die Bildungszentren der Handwerkskammern in Brandenburg unterstützen die Schülerinnen und Schüler in den Oberstufenzentren (berufliche Schulen in Brandenburg) bei ihrer Berufsorientierung. Im Bildungsgang Berufsgrundbildung (BFS-G-Plus) werden die Schülerinnen und Schüler in zwei Schuljahren berufsübergreifend und berufsbezogen unterrichtet.

Diese zweijährige Maßnahme wird durch die „Aktionstage“ im Handwerk ergänzt. Das Konzept lehnt sich an die Werkstatttage des Berufsorientierungsprogramms (BOP) an.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka besucht die Malerwerkstatt der Handwerkskammer Frankfurt/Oder.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka zu Besuch in der Handwerkskammer Frankfurt/Oder.

Leif Kuhnert/HWK FF

Ziel der Aktionstage ist, dass junge Geflüchtete und Asylsuchende verschiedene Berufsfelder des Handwerks ausprobieren und dabei ihre Neigungen, Interessen und Fähigkeiten kennenlernen. Das direkte Erleben von Berufen soll motivieren und inspirieren, weitere Schritte in Richtung einer Ausbildung zu gehen. Die Jugendlichen sollen realistische Vorstellungen über Anforderungen und Rahmenbedingungen im gewählten Beruf entwickeln. Langfristig gilt es, Ausbildungsabbrüchen präventiv entgegenzuwirken.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und wurde im Rahmen der Bildungsketten-Initiative mit dem Land Brandenburg vereinbart.


Zielgruppe

Das Angebot richtet sich an berufsschulpflichtige Schülerinnen und Schüler, die

  • keinen üblichen Bildungsgang der Berufsschule besuchen können, da sie über nicht ausreichende Deutschkenntnisse verfügen (unter Niveau B2),
  • die zum Vorhabentermin in Bildungsgängen zur beruflichen Grundbildung (BFS-G-Plus) unterrichtet werden.


Durchführung

Die Aktionstage finden in Gruppen in den Werkstätten einer Überbetrieblichen Berufsbildungsstätte statt. Während der Aktionstage lernen die Jugendlichen Berufe kennen, erhalten Einblicke in entsprechende Werkstätten und deren Arbeitsabläufe und werden mit ausgewählten handwerklichen Tätigkeiten handlungsorientiert vertraut gemacht.

Die Aktionstage Handwerk haben eine wichtige Funktion für die weitere Arbeit mit den Jugendlichen im Oberstufenzentrum:

  • Sie sollen zur Selbstreflexion anregen.
  • Sie können Anstoß zur Verselbstständigung geben.
  • Sie ermöglichen das Ableiten von Entwicklungschancen und -zielen.
  • Sie unterstützen eine kompetenzgeleitete Berufsfeldwahl.
Ein Jungkoch grillt ein Stück Fisch.

Kadmy - Fotolia.com

Die Aktionstage umfassen zwei Wochen im Block bzw. zehn Arbeitstage. Die Teilnehmenden durchlaufen nacheinander in Gruppen à zwölf Personen vier unterschiedliche Berufsfelder. Je Berufsfeld stehen zweieinhalb Tage zur Verfügung. Je Gruppe steht ein Ausbilder bzw. eine Ausbilderin zur Verfügung. Die Gesamtgruppe wird durch einen Lehrgangsbetreuer bzw. eine -betreuerin der Handwerkskammer sowie Lehrkräfte aus dem Oberstufenzentrum begleitet.

Während der praktischen Arbeit erfolgt auf der Grundlage vorher festgelegter Kriterien eine Kompetenzfeststellung über Beobachtung. Dies ersetzt die sonst z.B. im BOP übliche Potenzialanalyse. Beobachtet werden z.B. Zuverlässigkeit, Ausdauer, Sorgfalt, Einsatzfreude, Planungskompetenz und soziale Interaktion bzw. Teamfähigkeit. Am Ende der Aktionstage erfolgt die Bewertung des Arbeitsproduktes in jedem Berufsfeld. Die Beobachtungen werden durch geschultes Personal durchgeführt.

Alle Einschätzungen werden schriftlich dokumentiert. Die Teilnahme am Lehrgang wird durch eine Bescheinigung nachgewiesen. Die Teilnahmezertifikate weisen das absolvierte Berufsfeld mit den jeweiligen Unterweisungsinhalten aus. Die individuellen Einschätzungen werden in Einzelgesprächen mit den Teilnehmenden erörtert.


Bisherige Erfahrungen

Projektstart war der 01.09.2016 in der HWK Potsdam und der HWK Frankfurt/Oder. Die HWK Cottbus ist ab dem 04.09.2017 in das Projekt eingestiegen. In enger Abstimmung mit den Oberstufenzentren wurde die inhaltliche und organisatorische Planung für die Teilnahme von zunächst 60 jungen Geflüchteten abgestimmt. Inzwischen wird das Projekt für deutlich mehr Schülerinnen und Schüler der Oberstufenzentren angeboten.

Auf umfänglichen theoretischen Unterricht wurde bewusst verzichtet; die Kenntnisse und Fertigkeiten wurden durch Vormachen und Nachmachen, ggf. unter Einsatz von Grafiken und Schaubilder bzw. an Hand von Mustern und Anschauungsmodellen vermittelt. Unter Berücksichtigung der Sprachkenntnisse wurde auch eine duale Berufsausbildung exemplarisch dargestellt.

Zwei Teilnehmerinnen schrauben an einem Motor.

Bildungsministerin Britta Ernst, Präsident der HWK Potsdam Robert Wüst und Geschäftsführer der HWK Potsdam Tilo Jänsch besuchen die KFZ Werkstatt.

HWK Potsdam, Fotografin: Ines Weitermann

Die Inhalte der Aktionstage:

1. Besichtigung des Fachbereiches

2. Erläuterung des Berufsfeldes und der darin enthaltenen Ausbildungsberufe

3. Sammeln von ersten praktischen Erfahrungen durch Realisierung einfacher Arbeitstätigkeiten in unterschiedlichen Berufsfeldern

4. Erarbeitung kleiner, berufstypischer Arbeitsaufträge

5. Bewertung der Arbeitsergebnisse

6. Auswertung der Praxistage

Im Mittelpunkt der Aktionstage stand das „eigene praktische Tun“ unter Anleitung und Hilfestellung des jeweiligen Ausbilders bzw. der jeweiligen Ausbilderin.

Das Miteinander zwischen deutschen Schülerinnen und Schülern und Auszubildenden sowie den jungen Geflüchteten und die gemeinsame praktische Arbeit in der Bildungsstätte fördern die soziale Integration sowie den Abbau von Ängsten und Vorurteilen.

Geflüchtete sind eine potenzielle Zielgruppe zur Fachkräftesicherung für Betriebe in Brandenburg. Durch das Projekt „Berufsorientierung im Bildungsgang BFS-G-Plus“ können verstärkt Geflüchtete für eine betriebliche Berufsausbildung gewonnen und deren Interesse am Handwerk geweckt werden.

Weitere Informationen zur Berufsorientierung in den brandenburgischen Oberstufenzentren

Handwerkskammer Potsdam

Rita Müller
Teamleiterin Fachkräftesicherung/Berufsorientierung
Zentrum für Gewerbeförderung
Tel.: 033207 / 34 - 336
E-Mail: rita.mueller@hwkpotsdam.de
URL: www.hwk-potsdam.de

Handwerkskammer Frankfurt/Oder

Sven Kaczkowski
Leiter Bildungszentrum
Tel.: 0335 / 5554 - 200
E-Mail: sven.kaczkowski@hwk-ff.de
URL: www.hwk-ff.de

Handwerkskammer Cottbus

Hendrik Schulz
Berufsorientierung
Tel.: 0355 / 7835 - 144
E-Mail: h.schulz@hwk-cottbus.de
URL: www.hwk-cottbus.de