Projekt „Erfahrungen sichtbar machen“ in Bremerhaven

Im Pilotprojekt wurde das seit 2008 bestehende Berufsorientierungsprogramm an die Zielgruppe zugewanderter Jugendlicher angepasst. Dabei durchliefen die Jugendlichen die Kompetenzfeststellung und die Werkstatttage.

Eine junge Frau arbeitet an einer Windschutzscheibe.

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Laufzeit: 14.12.2015 bis 13.12.2016

Das einjährige Pilotprojekt „Kompetenzfeststellung für geflüchtete Menschen – Erfahrungen sichtbar machen“ in Bremerhaven lehnte sich an das Berufsorientierungsprogramm  (BOP) an. Die BOP-Instrumente Potenzialanalyse und Werkstatttage wurden im Einsatz mit der Zielgruppe junger Flüchtlingsmigrantinnen und -migranten erprobt und an diese angepasst.

Das Ziel des Pilotprojektes war es, jungen Geflüchteten eine Ausbildungsperspektive zu verschaffen und ihnen so mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

Das Pilotprojekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. In der Bildungsketten-Vereinbarung mit Bremen wurde das Modell aufgenommen und wird in angepasster Form fortgeführt.


Zielgruppe

Zielgruppe waren Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund und hoher Bleibewahrscheinlichkeit


Durchführung

Baustein 1: Kompetenzfeststellung

Aufgrund der Krisen- und Fluchtsituationen konnten die individuellen Kompetenzen der Teilnehmenden meist nicht durch formale Qualifikationsnachweise nachgewiesen werden. Daher wurden in einer dreitägigen Kompetenzfeststellung ihre nicht formalen und informellen Kompetenzen erfasst. Dazu gehören zum Beispiel Berufserfahrung, Teamfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Sprachkenntnisse.

Für die Kompetenzfeststellung des Pilotprojekts wurden eigene Instrumente entwickelt. Im Mittelpunkt stand die Biografie der Teilnehmenden. Die biografische Arbeit legte das Augenmerk auf die persönliche Standortbestimmung, die Selbstreflexion und das Aufdecken bisher unbewusst gebliebener Kompetenzen. Weitere Mittel waren Visualisierung und dialogische Methoden, wie z.B. Partner-Interviews, moderierte Feedbackrunden sowie spielerische Übungen wie Geocaching etc.

Verfahrensschritte und Ergebnisse wurden den Jugendlichen erläutert, um ihnen ein Reflektieren über das Erlebte zu ermöglichen. Die Reflexion zu den Übungen erfolgt durch die Selbsteinschätzung der Teilnehmenden und die Fremdeinschätzung der Beobachtenden. Zum Abschluss wurde ein individuelles Kompetenzprofil erstellt, das in einem Auswertungsgespräch erläutert wurde.

Baustein 2: Werkstatttage

Ein junger Mann fräst mit einer Standbohrmaschine ein Loch in eine Metallplatte.

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Zeitnah anschließend fanden die zehn Werkstatttage im Block statt. Es wurde eine breite Palette von Berufsfeldern angeboten. Alle Jugendlichen konnten bis zu vier Berufsfelder kennenlernen.

Parallel zum Pilotvorhaben fanden die Werkstatttage des regulären Berufsorientierungsprogramms (BOP) mit Schülerinnen und Schülern aus dem Sekundarbereich I statt. Damit war es möglich, die Berufsfelder in gemeinsamen Gruppen von Schülerinnen und Schülern aus dem Sekundarbereich I mit zugewanderten Jugendlichen durchzuführen.

Dieser integrative Ansatz war ein wichtiger Erfolgsfaktor: Unterschiedliche Lebenswelten trafen in den Werkstätten aufeinander; durch das gemeinsame Arbeiten wurde Vielfalt zur Normalität. Das Kennenlernen nahm einen breiteren Raum ein, es wurden diversitätssensible Gruppenübungen durchgeführt und das Verständnis für das Gegenüber wurde gestärkt.

Der Personaleinsatz wurde, im Vergleich zum Regel-BOP, um eine Person erhöht und die Gruppenstärke auf maximal zehn Teilnehmende begrenzt.


Erfahrungen

Die Erhebung und Bilanzierung vorhandener Kompetenzen im Pilotprojekt hat gezeigt, wie migrationssensibel die Instrumente für geflüchtete Jugendliche sein müssen: Für die Anwendung geeigneter Methoden ist es notwendig, dass das durchführende Bildungs- und Ausbildungspersonal ein hohes Maß an interkultureller Kompetenz besitzt, um kulturfair agieren zu können. Denn bei ethnisch bzw. kulturell diversen Gruppen können Verzerrungen (Cultural Bias) entstehen, die oft auf „unterstellten“ kulturellen Annahmen basieren.

Die gemeinsamen Lernsequenzen mit gleichaltrigen jungen Jugendlichen haben eine hohe integrationsfördernde Wirkung.

Eine subjekt- und stärkenorientierte Didaktik ist am besten geeignet, die heterogenen und sprachlichen Voraussetzungen der Zielgruppe zu berücksichtigen.

Kontakt

Kreishandwerkerschaft Bremerhaven-Wesermünde
Bärbel Brösche
Tel.: 0471 / 185 - 240
E-Mail: broesche@incotrain-bhv.de
URL: www.kreishandwerkerschaft-bremerhaven.de