ProBeruf für Flüchtlinge in Baden-Württemberg

Berufsorientierung für junge Geflüchtete – dies ermöglicht das Förderprogramm „ProBeruf für Flüchtlinge“ in Baden-Württemberg. Teilnehmende lernen in Überbetrieblichen Bildungsstätten neben mehreren Berufsfeldern auch das Berufsbildungssystem kennen.

Ein Ausbilder zeigt einer Auszubildenden wie man eine Kante in ein Holzstück fräst.

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Laufzeit: 01.09.2016 bis 31.12.2018 (geplante Fortsetzung bis 2020)

Berufsfelder kennenlernen – dies ist der erste Schritt zur Integration zugewanderter junger Geflüchteter in Beschäftigung und in die Gesellschaft. So erhalten sie einen Einblick in die Tätigkeitsfelder einzelner Berufe und eine erste Orientierung in der deutschen Arbeitswelt.

Im Projekt „ProBeruf – Berufserprobung für Flüchtlinge in überbetrieblichen Bildungsstätten“ (kurz: „ProBeruf für Flüchtlinge“) sammeln junge Geflüchtete praktische Erfahrungen in mindestens drei Berufsfeldern. Außerdem erfahren sie mehr über

  • das deutsche System der Berufsausbildung,
  • die Berufe nach dem Berufsbildungsgesetz und dem Gesetz zur Ordnung des Handwerks sowie
  • die Anforderungen und Werte der betrieblichen Arbeitswelt in Deutschland.

In den Projekten für Schülerinnen und Schüler in Integrationsklassen beruflicher Schulen wird vertiefend die berufliche Ausbildung thematisiert.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und wurde im Rahmen der Bildungsketten-Initiative mit dem Land Baden-Württemberg vereinbart.


Zielgruppe

Die vertieften Berufsorientierungsmaßnahmen stehen folgenden Zielgruppen offen:

  • Integrationsklassen an den beruflichen Schulen (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf „VAB“, VAB zum Erwerb von Deutschkenntnissen „VABO“, Ausbildungsvorbereitung dual „AVdual“)
  • Geflüchtete, die bis zu 25 Jahre alt und nicht berufsschulpflichtig sind und noch für eine Ausbildung gewonnen werden könnten
  • Geflüchtete ohne Deutschkenntnisse an allgemeinbildenden Schulen ab Klasse acht (in der Regel in Vorbereitungsklassen „VKL“)


Durchführung

Ein Mechaniker leuchtet mit einer Arbeitsleuchte den Motorraum aus um besser arbeiten zu können.

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Der Einstieg erfolgt möglichst über eine Kompetenzanalyse. Die praktische berufliche Orientierung findet in mindestens drei Berufsfeldern und unter Anleitung eines Ausbilders oder einer Ausbilderin in Überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) statt. Diese sind meist von Organisationen der Wirtschaft getragen und arbeiten an der Nahtstelle zwischen Schule und Unternehmen. Durch ihre Praxisnähe, ihre Ausstattung sowie die Erfahrung und Kompetenz ihrer Ausbilderinnen und Ausbilder sind sie bestens geeignet, Geflüchteten einen Einblick in eine Berufsausbildung zu vermitteln.

Die Maßnahmen in den ÜBS erstrecken sich über einen Zeitraum von 80 Zeitstunden pro teilnehmender Person. Der Zeitraum von 80 Stunden kann in verschiedenen Varianten genutzt werden: z.B. zwei Wochen im Block, zwei Mal je eine Woche oder als Nachmittagsveranstaltung (z.B. nach dem Deutschunterricht am Vormittag). In der Regel liegt die Gruppengröße bei maximal zehn Personen.

In den Projekten werden die Bedürfnisse der Zielgruppe und die praktikable Umsetzung berücksichtigt. So können zusätzliche sozialpädagogische Betreuung, Dolmetscherinnen und Dolmetscher oder eine eigens für das Projekt verantwortliche Ansprechperson zur Unterstützung des Ausbildungspersonals in den ÜBS eingesetzt werden.

An Ende der Maßnahme erhalten die Teilnehmenden eine individuelle Rückmeldung und ein Zertifikat, welches ihre Kompetenzen, Interessen und individuellen Entwicklungspotenziale dokumentiert. Das Zertifikat enthält außerdem einen Hinweis auf die praktisch erprobten Berufsfelder. Damit die Geflüchteten ihre Erfahrung aus dem Projekt direkt weiter nutzen, werden sie bei der Suche nach einem passenden Betriebspraktikum unterstützt.


Das Programm wird seit 2016 von 16 Bildungsträgern an 30 Standorten in Baden-Württemberg durchgeführt. Bis Ende 2017 werden 1.300 Teilnehmende das Programm „ProBeruf für Flüchtlinge“ durchlaufen haben. (Stand September 2017)


Bisherige Erfahrungen

Besonders jüngere Teilnehmende (17-20 Jahre) zeigen eine hohe Motivation bei den Maßnahmen. Ältere Teilnehmende (20 Jahre und älter) haben teilweise schon sehr genaue Vorstellungen zum eigenen Berufsweg, der aber bei einigen eine hohe Hürde darstellt aufgrund ihrer Sprachkenntnisse oder ihres Bildungsabschlusses. Über diese Kluft zwischen Wunsch und Realität entsteht in einigen Fällen Unzufriedenheit.

Fehlende Deutschkenntnisse stellen in den Maßnahmen von „ProBeruf für Flüchtlinge" kein Problem dar. Die Schülerinnen und Schüler, die besser Deutsch können, übernehmen manchmal die Funktion des Dolmetschers in den Maßnahmen, um anderen Teilnehmenden zu helfen.

Weitere Informationen zum Förderprogramm „ProBeruf für Flüchtlinge“ in Baden-Württemberg

Kontakt

Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, Referat Berufliche Ausbildung
Helene Zimmermann
Tel.: 0711 / 123 - 2544
E-Mail: helene.zimmermann@wm.bwl.de
URL: https://wm.baden-wuerttemberg.de/