BOFplus-Fachveranstaltung 2025 „Neue Impulse für die Begleitung von Zugewanderten in Ausbildung und Qualifizierung“
An zwei Tagen wurde im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bei der BOFplus-Fachveranstaltung ausgiebig diskutiert und die Gelegenheit für fachlichen Austausch und Netzwerkarbeit genutzt.
In Workshops und Vorträgen ging es unter anderem um Teilqualifizierung, Teilzeit, Trauma aber auch um betriebliche Integration, Netzwerke und Ausbildungsduldung. Über 30 Projektträger des Programms Berufliche Orientierung für Personen mit Flucht- und Migrationserfahrung (BOFplus) erhielten vielfältige Impulse zur Begleitung von Zugewanderten in Ausbildung und Qualifizierung.
Während der Begrüßung betonte Ulrich Schuck, Referatsleiter im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und zuständig für das BOFplus-Programm, die Bedeutung einer beruflichen Ausbildung für die gesellschaftliche Teilhabe. Hier sei noch viel zu tun, denn 39 Prozent der jungen Menschen zwischen 20 und 34 Jahre, die zugewandert sind, haben nach den Daten des Mikrozensus keinen beruflichen Abschluss und befinden sich auch in keiner beruflichen Ausbildung. Hier hilft das Programm mit seinem ganzheitlichen Ansatz und gibt den Teilnehmenden des BOFplus-Kurses berufliche Perspektiven, insbesondere durch den Zugang zu Betrieben. Im vorangegangenen BOF-Programm (bis Ende 2023) wurden 40 Prozent der Absolventinnen und Absolventen in Einstiegsqualifizierung oder Ausbildung vermittelt. Ebenso benötigt die Wirtschaft dringend diese zukünftigen Fachkräfte. BOFplus sei laut Schuck ein fester Teil der Initiative „Abschluss und Anschluss − Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“.
Im Anschluss präsentierte Gerburg Benneker, fachliche Projektleitung für das BOFplus-Programm im BIBB, Zahlen und Daten der aktuellen Kursteilnehmenden. Mittlerweile haben nach der neuen Förderrichtlinie (Beginn der ersten Projekte im Mai 2023) insgesamt 1.700 Personen an der vorgeschalteten Orientierungsphase teilgenommen. Bei dieser haben beide Seiten, sowohl die Teilnehmenden als auch der Kursträger, die Gelegenheit zu prüfen, ob Angebot und Ziel des Kurses passen. Die Hälfte der Teilnehmenden besuchten vorher einen Sprach- oder Integrationskurs und knapp jede fünfte Person eine weiterführende Schule in Deutschland.
Bislang sind über 1.200 Personen aus den Orientierungskursen in einen BOFplus-Kurs übergegangen. Die meisten von ihnen kommen aus der Ukraine (38 Prozent), danach folgen die Herkunftsländer Syrien (16 Prozent) und Afghanistan (9 Prozent). Wenn auch bislang nur ein Teil der BOFplus-Teilnehmenden den Kurs regulär beenden konnten, so zeigen die gewählten Berufsfelder der anschließend begonnenen Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung, dass das Programm – anders als in der Vergangenheit – keinen Schwerpunkt mehr auf das Handwerk hat. Fast ein Drittel der gewählten Berufsfelder lagen im Bereich Industrie, Naturwissenschaften, Gewerbe und Technik (31 Prozent), danach folgten Handwerk (24 Prozent) und Soziales, Pflege und Gesundheit (21 Prozent).
Künstliche Intelligenz in der Beruflichen Orientierung: Anwendungsmöglichkeiten von KI in BOFplus
Dr. Oliver Nahm, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Arbeitsbereich 2.5 Lehren und Lernen, Bildungspersonal
Dr. Oliver Nahm hielt einen inspirierenden Vortrag zum Thema „Künstliche Intelligenz in der Beruflichen Orientierung“. Er betonte, dass Künstliche Intelligenz (KI) gekommen ist, um zu bleiben, und voraussichtlich unser Leben sowie die berufliche Bildung maßgeblich verändern wird – und das bereits in Teilen heute schon sichtbar ist. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema ist daher unvermeidlich. Es ist wichtig zu lernen, wie man KI optimal einsetzt und wo mögliche Fallstricke liegen. Nach einer Einführung in die Funktionsweise neuronaler Netze, die die Grundlage für KI bilden, wurden sowohl die aktuellen Schwächen als auch die konkreten Vorteile dieser Technologie aufgezeigt.
Laut Nahm eignet sich KI hervorragend für Brainstorming, das Korrekturlesen von E-Mails und Texten, die Generierung von Bildern, die Reflexion eigener Meinungen in Diskussionen sowie die Konkretisierung von Konzepten. Besonders bei der Durchführung von BOFplus-Kursen kann KI vielfältig eingesetzt werden: etwa für Rollenspiele zur Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche, Übersetzungen, bei der Anpassung von Lernmaterialien oder bei der individuellen Lernunterstützung.
Eine Zusammenstellung aller aktuellen KI-Aktivitäten des BIBB finden sich auf www.bibb.de/KI. Zudem bietet www.leando.de bereits jetzt ein umfangreiches Angebot an Unterstützungsmaterialien, unter anderem seit neustem eine Schulung, die nach EU-Vorgaben für Arbeitnehmende erforderlich ist.
Speed-Dating: Austausch mit der BIBB-Projektsachbearbeitung
Im Rahmen eines Speed-Datings hatten die BOFplus-Träger Gelegenheit sich mit ihren zuständigen Projektsachbearbeitenden aus dem Arbeitsbereich 4.5 vor Ort auszutauschen und Fragen zu stellen. In kurzen Gesprächsrunden konnten administrative Fragen geklärt, Anliegen direkt angesprochen und persönliche Kontakte geknüpft werden. Besonders geschätzt wurde die Gelegenheit, ein Gesicht zur Stimme zu bekommen.
Das Format trug dazu bei, den direkten Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den BOFplus- Trägern und den zuständigen Ansprechpersonen im Arbeitsbereich 4.5 zu stärken.
Gallery Walk
Im Rahmen des Gallery Walks gaben einige BOFplus-Projekte durch ihre Beiträge Einblicke in ihren Praxisalltag. Die Präsentation von Lehrmaterialien, Werkstücken, Fotos aus den Gewerken und Informationsflyern machte sichtbar, wie vielfältig die praktische Umsetzung vor Ort gelingt.
Die Teilnehmenden konnten die Materialien sichten, sich Anregungen holen und im offenen Rahmen in den Austausch kommen. Der Gallery Walk stellte unterschiedliche Ansätze heraus und bot Anlass für kollegialen Austausch und die Vernetzung zwischen den BOFplus-Trägern.
Bleibeperspektiven für Geflüchtete durch Aufnahme einer Ausbildung
Birgit Naujoks, Flüchtlingsrat Nordrhein-Westfalen e. V., Geschäftsführerin und Juristin
Birgit Naujoks referierte aus ihrem großen Wissens- und Erfahrungsschatz und brachte komplexe juristische Themen mit verständlichen Erläuterungen und konkreten Beispielen den Anwesenden näher.
Im ersten Teil ging es um die Beschränkungen beim Arbeitsmarktzugang von Personen ohne Aufenthaltstitel. Also jene, die entweder im Asylverfahren sind oder eine Duldung haben. Das Thema hat eine hohe Relevanz, da der Arbeitsmarktzugang eine Voraussetzung für die Teilnahme am BOFplus-Kurs ist. Ein Tipp von Naujoks ist, ein in den Aufenthaltspapieren beschriebenes Beschäftigungsverbot immer zu überprüfen, da dies im Einzelfall nicht mehr aktuell bzw. rechtswidrig erteilt worden sein kann.
Im zweiten Teil ging es um Bleibeperspektiven durch Aufnahme einer Ausbildung. Naujoks gab einen Überblick über die Vorgaben der Ausbildungsduldung (§ 60c Aufenthaltsgesetz) und der Ausbildungsaufenthaltserlaubnis (§ 16g Aufenthaltsgesetz). Bei der Ausbildungsaufenthaltserlaubnis seien die gleichen Voraussetzungen wie für die Ausbildungsduldung zu erfüllen, allerdings gibt es hierbei den Vorteil, dass die Personen reisen dürfen und die Zeiten für eine spätere Niederlassungserlaubnis angerechnet werden können. Nachteile sind, dass für die Ausbildungsaufenthaltserlaubnis ein Pass vorliegen und der Lebensunterhalt gesichert sein muss. Damit können diese Personen keine rein schulische Ausbildung ohne Gehalt besuchen. Bei der Durchführung einer betrieblichen Ausbildung können sie zur Lebensunterhaltssicherung Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen.
Impressionen aus dem Plenum
Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für das vielfältige Programm und die wertvollen Impulse sowie den Mitarbeitenden der BOFplus-Träger für die engagierte Teilnahme. Zahlreiche Rückmeldungen zeigen, dass im nächsten Jahr wiederum eine Fachtagung gewünscht ist und der gewinnbringende Austausch mit erhöhtem Praxisbezug weitergehen soll.
Workshops am ersten Veranstaltungstag
Workshop 1.1: Wenn das Gepäck unsichtbar ist – Traumasensibel begleiten
Susanne Niederberger, Coach, Lehrende Supervisorin und Dozentin, Bindungsbasierte Beratung und Therapie, Traumapädagogik/Traumafachberatung
Der Workshop bot Raum für Austausch über Erfahrungen in der Begleitung von traumabelasteten Zugewanderten und für praktische Impulse zur Stärkung der eigenen Rolle im pädagogischen Alltag.
Im Fokus des Austausches mit der Traumatherapeutin stand die Frage: „Wie weit kann ich als pädagogische Fachkraft begleiten, ohne selbst in eine therapeutische Rolle zu verfallen?“
Die Teilnehmenden haben erfahren, wie wichtig es ist, die eigenen emotionalen Grenzen und Möglichkeiten in der Begleitung traumatisierter Menschen zu erkennen. Es wurde betont, dass Gespräche beendet werden dürfen, wenn diese zu emotional und belastend sind, denn Selbstfürsorge ist essenziell: Nur wer gut auf sich achtet, kann auch für andere da sein. Eine wertschätzende, zugewandte pädagogische Haltung ist oft grundlegend, um Vertrauen zu fördern und zu stabilisieren: Zuhören und für die Teilnehmenden da zu sein ist dabei zentral.
Bei tiefergehenden psychischen Belastungen und Traumata ist eine Weitervermittlung an qualifizierte Beratungsstellen und psychotherapeutische Angebote notwendig und richtig.
Weiterführende Informationen finden Sie unter:
Workshop 1.2: Teilqualifikation: Eine oft ungenutzte Chance für Zugewanderte?
Antje Baier, Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), Leitung des BMBF-Projekts „Chancen Nutzen! Mit Teilqualifikationen Richtung Berufsabschluss“
Dr. Kristin Hecker, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb), Projektgruppenleiterin am Standort Nürnberg, IQ Fachstelle Beratung und Qualifizierung
Im ersten Teil des Workshops ging es um Informationen und den aktuellen Erfahrungsstand rund um Teilqualifikationen (TQ). Dr. Kristin Hecker erläuterte, dass bereits der Besuch einer einzigen Teilqualifikation nachweislich einen positiven Effekt auf die Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung hat. Ein Problem sei es jedoch, dass viele nicht bis zu einem beruflichen Abschluss kommen. 95 Prozent absolvieren nur die erste von mehreren einzelnen Teilqualifikationen, die erforderlich wären, um zu einer Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Zudem werden Teilqualifikationen bislang in wenigen Berufsfeldern angeboten. Wichtig sei es, so Hecker, insbesondere in die Teilqualifikationen zu vermitteln, von denen bereits etablierte Standards vorliegen. In einigen Regionen wird Teilqualifizierung plus (TQplus) für Zugewanderte angeboten, bei denen zusätzliche Unterstützung für die Zielgruppe angeboten wird.
Antje Baier präsentierte im zweiten Teil erfolgreiche Beispiele aus der Praxis des Projekts „Chancen Nutzen!“, bei denen Personen mit Flucht- und Migrationshintergrund von einer Teilqualifikation profitierten. Mit viel Engagement qualifizierte zum Beispiel das Unternehmen „Blume 2000“ mittels Teilqualifikation insgesamt 12 Mitarbeitende aus unterschiedlichen Herkunftsländern zu Floristen bzw. Floristinnen.
Am Ende des Workshops wurden verschiedene Ideen gesammelt, wie BOFplus-Träger Chancen einer TQ für Kursteilnehmende vermitteln können. Tenor war, dass diese Option fester Bestandteil einer ganzheitlichen Beratung sein sollte. Es könnten Informationsveranstaltungen mit Anbietern durchgeführt oder auch Erfolgsbeispiele präsentiert werden. Ein Fazit: Wichtig sei es immer, aktiv den Austausch mit Jobcenter bzw. der Agentur für Arbeit vor Ort zu suchen und mit diesen eng zum Thema TQ zu kooperieren.
Weiterführende Informationen finden Sie unter:
- Chance Teilqualifikationen: individuelle Nachqualifizierung
- Berufsausbildung | Ausbildungssuche | Bundesagentur für Arbeit
- TQplus
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Workshops am zweiten Veranstaltungstag
Workshop 2.1: Gelungene Integration in den Betrieb
Leonie Arndt, Handwerkskammer zu Köln (HWK), Willkommenslotsin
Franziska Faber, Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (IHK), Willkommenslotsin
In dem Workshop haben die Teilnehmenden nicht nur das Programm „Passgenaue Vermittlung / Willkommenslotsen“ näher kennen gelernt, sondern sich auch intensiv über Probleme und Lösungsansätze für eine bessere Integration in einen Ausbildungsbetrieb ausgetauscht. Grundlage hierzu gaben die von den Referentinnen vorgestellten vier Herausforderungen: Die sprachlichen Barrieren, die jeweils unterschiedlichen Erwartungen von Auszubildenden und Betriebe, soziale und kulturelle Missverständnisse und die Erfahrung, dass sich die Betriebe häufig allein gelassen fühlen.
Aus den Erfahrungen der Projektträger sollten zur besseren Sprachsicherheit den BOFplus-Teilnehmenden während des Kurses unbedingt sowohl Fachsprache als auch „Small Talk“ vermittelt werden. Ein Teilnehmer würde dem Betrieb den Tipp geben, immer konkret nachzufragen „Sag, was hast du verstanden?“. Dieses sei als Anregung auf große Resonanz gestoßen.
Die häufig zu hohen Erwartungen vor Beginn einer Ausbildung sollten auf jeden Fall ernstgenommen und angesprochen werden. Damit die Teilnehmenden eine realistische Vorstellung bezüglich ihrer Aufgaben zu Beginn der Ausbildung erhalten, sollten sie genau über die Inhalte und Tätigkeiten im ersten Ausbildungsjahr informiert werden. Damit der Betrieb nicht zu hohe Erwartungen hat, sollte er umfassend bereits vor der Betriebsphase über die Potenziale aber auch noch vorhandenen Schwächen, wie zum Beispiel dem Deutschsprachniveau, informiert werden. Ein Projekt berichtete von guten Erfahrungen mit der Auswahl eines Paten bzw. einer Patin innerhalb des Betriebspersonals. Der Pate bzw. die Patin fungiert für die neuen Auszubildenden als zentrale Ansprechperson.
Sehr unterschiedliche Erfahrungen gab es beim Thema „kulturelle Missverständnisse“. Während einige Standorte von kaum bis gar keinen Problemen berichteten, gab es u.a. in Berlin und Wismar zunehmend Vorbehalte von Betrieben gegenüber Auszubildenden mit Fluchthintergrund. Teilnehmende würden erfahrene Diskriminierung jedoch selten ansprechen, daher sollte dies aktiv von Seiten der Träger erfolgen, so ein Ratschlag.
Für eine bessere Zusammenarbeit mit Willkommenslotsen vor Ort, welche insbesondere die Betriebe betreuen und auch gezielt die Integration in den Betrieb fördern können, wäre eine Einladung zur Vorstellung in den BOFplus-Kursen zu empfehlen, so das Fazit am Ende.
Weiterführende Informationen finden Sie unter:
Workshop 2.2: Ausbildung, die ins Leben passt - Perspektiven durch Teilzeit
Judith Ebersoll, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V. (BWHW), Projektbüro Servicestelle Teilzeit-Ausbildung
Im Rahmen des Workshops wurde das Modell der Teilzeitausbildung als ein offenes und flexibles Modell vorgestellt, das allen Interessierten offensteht und eine Alternative zur Vollzeitausbildung bietet.
Das Modell ermöglicht eine gezielte Unterstützung für Menschen mit Sprachförderbedarf, indem die Reduzierung auf Teilzeit im ersten Ausbildungsjahr für parallele Sprachkurse genutzt werden kann. Dies hilft den Lernstoff besser zu erfassen. Darüber hinaus verringert sich durch die Verlängerung der Ausbildungsdauer bei einer Teilzeitausbildung der Druck vor der Abschlussprüfung im vierten Jahr.
Betriebe, die von dieser Möglichkeit der Ausbildung in Teilzeit wissen, setzten sie gezielt ein.
Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht die Chancen des Modells: Eine Bäckerei mit einer viertägigen Ausbildungswoche nutzt gezielt die Teilzeitausbildung, um die Attraktivität des Berufs durch flexible Arbeitszeiten zu steigern. Solche Einsatzmöglichkeiten zeigen das Potenzial der Teilzeitausbildung für eine zeitgemäße Gestaltung beruflicher Bildung.
Umso wichtiger ist es, dass Betriebe von der Teilzeitausbildung erfahren. Sie sollten beispielsweise bei der Anerkennung von Ausbildungsbetrieben aktiv auf diese Option hinweisen oder bei der Schulung zum Ausbilderschein. Verbände können über ihre Webseiten auf diese Möglichkeit aufmerksam machen und so die Sichtbarkeit des Modells fördern.
Die Teilzeitausbildung lässt sich an die individuellen Bedarfe von Auszubildenden und Betrieben anpassen. Das setzt eine enge Abstimmung der zuständigen Stellen voraus. Lösungsorientiertes Denken ist der Schlüssel zum Erfolg.
Weiterführende Informationen finden Sie unter:
- Leando | Lernwelt
- Teilzeitausbildung - eine vollwertige Berufsausbildung
- Wir über uns – NTBA – Netzwerk Teilzeitberufsausbildung
Workshop 3.1: Netzwerke und Bezugspersonen als erfolgreiche Akquisemethoden
Marua Majeed, SR Bildungszentrum Wismar, Projektleitung BOFplus
Prof. Dr. Patrick Peters, Berufsbildungszentrum Mönchengladbach e. V., Projektleitung BOFplus
Zu Beginn des Workshops informierten zunächst zwei Vorträge aus der BOFplus-Praxis über die Bedeutung von Netzwerkkooperation und Bezugspersonen bei der Gewinnung von Teilnehmenden für BOFplus-Kurse. Anschließend diskutierten die Projekte über eigene Erfahrungen und Umsetzungsmöglichkeiten in der eigenen Arbeitspraxis.
Zentrale Erkenntnisse waren: Netzwerkarbeit braucht Struktur und hohes Engagement, oft auch außerhalb der Arbeitszeiten. Alle potenziellen Partner und Partnerinnen mit Kontakt zu Geflüchteten müssen identifiziert und eingebunden werden. Formelle wie auch informelle Kooperationen erfordern persönliche Ansprache und regelmäßige Treffen, um einen langfristen Erfolg zu sichern.
Bezugspersonen haben einen großen Einfluss auf die Motivation und die Berufswahlentscheidung der Teilnehmenden in der BOFplus-Praxis. Um Bezugspersonen zu erreichen sind muttersprachliche Mitarbeitende und Übersetzerinnen in der Praxis wichtig. Auch die Einladung von Eltern und weiteren Personen aus dem sozialen Umfeld zur Infoveranstaltungen ist wirksam. Zusätzlich ermöglichen übersetzte Informationsmaterialien ein besseres Verständnis des deutschen Berufsbildungssystem und fördern dadurch die Teilnahmechancen.
Workshop 3.2: Kooperation mit Berufskollegs: Der besondere Weg in Duisburg
Claus Vanags, Bildungszentrum Handwerk der Kreishandwerkerschaft Duisburg, Projektleitung BOFplus
Interessiert folgten die Teilnehmenden Claus Vanags Bericht über die besondere Zusammenarbeit zweier Berufskollegs in Duisburg. Zugewanderte Schülerinnen und Schüler aus den Ausbildungsvorbereitungsklassen (AV-Klassen) der Schulen besuchen zeitgleich den BOFplus-Kurs in Teilzeit. Der hohe Praxisbezug in den Werkstätten und die enge Begleitung von den BOFplus Mitarbeitenden komme bei den jungen Menschen gut an. Auch wenn es im aktuellen Kurs zu einigen Abbrüchen kam, sehen die zuständigen Lehrkräfte auf jeden Fall die Erfolge, bei der sonst häufig vorhandenen „Schulmüdigkeit“. Essenziell wichtig für eine erfolgreiche Durchführung sei ein regelmäßiger Austausch mit den Lehrkräften und Zuständigen der Schulsozialarbeit.
Einzelne Träger bekräftigten das Interesse an der Zusammenarbeit mit Berufskollegs. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, wie eine Kooperation mit diesen als fester Bestandteil in das BOFplus-Programm aufgenommen werden kann. Zwei Träger haben bereits erste Gespräche und Erfahrungen mit Berufskollegs gesammelt. Vanags empfiehlt im Vorfeld immer eine Kooperationsvereinbarung aufzusetzen, welche unter anderem die Klärung der Aufsichtspflicht beinhalten sollte.
Workshop 3.3: Und wer hilft danach? Erfahrungen mit Betreuungsangeboten nach BOFplus
Artur Petermann, Bayerische Fortbildungszentren (bfz), Produktmanagement Jugend
Paula Erdmann, SENIOR EXPERT SERVICE (SES) gGmbH, Koordination VerAplus
In dem Workshop wurde der Austausch über Chancen und Herausforderungen bei der Nutzung begleitender Unterstützungsangebote vor und während der Ausbildung thematisiert. Ein Schwerpunkt lag auf der Assistierten Ausbildung flexibel (AsAflex), einem Instrument der Bundesagentur für Arbeit, das jungen Menschen mit Unterstützungsbedarf einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss ermöglichen soll. AsAflex bietet Hilfe bei schulischen Defiziten, Prüfungsängsten sowie bei persönlichen und sozialen Problemen.
Ein weiterer Punkt war die Vorstellung des Programms Verbesserung von Ausbildungserfolgen plus (VerAplus). Dieses Programm vermittelt Auszubildenden ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren, die sie individuell begleiten. Die Teilnahme erfolgt über eine unkomplizierte Online-Anmeldung. Auf Basis des Bedarfs wird ein passender Coach zugeteilt, mit dem regelmäßige, flexible Treffen stattfinden. Ziel ist es, durch persönliche Betreuung die Ausbildungsfähigkeit zu stärken und einen erfolgreichen Abschluss zu fördern.
In der Diskussion wurde deutlich, dass die Vermittlung in nachfolgende Betreuungsangebote häufig herausfordernd ist. Besonders schwierig ist die Situation für Teilnehmende, die bis zum Ende eines BOFplus-Kurses keine Ausbildungsstelle oder Einstiegsqualifizierung finden. Für diese Gruppe – geschätzt bis zu 25 Prozent der Teilnehmenden – besteht die Gefahr, nach Kursende für eine Ausbildung aus dem Blick zu geraten. Die Teilnehmenden des Workshops sehen deshalb eine gezielte Nachbetreuung im Anschluss an den BOFplus-Kurs als dringend notwendig an. Eine Lösung könnte eine Kooperation mit VerAplus bieten oder eine Überarbeitung der BOFplus-Richtlinie mit einem entsprechendem Nachversorgungsangebot.
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