Navigation und Service

Über 80 Teilnehmende aus BOP-Projekten im Austausch zur Umsetzung der BO-Tage

BO-Tage gelingen insbesondere, wenn praktische Erfahrungen, individuelle Reflexion und realitätsnahe berufliche Einblicke sinnvoll miteinander verknüpft werden. So lautete das Fazit der Online-Veranstaltung am 23.04.26 unter dem Motto „Voneinander lernen, gemeinsam weiterentwickeln“, bei der sich mehr als 80 Teilnehmende über die Umsetzung der BO-Tage austauschten.

Frau sitzt vor einer Videokonferenz 
© Adobe Stock / Alex from the rock

Im Mittelpunkt standen die drei Themenbereiche individuelle Standortbestimmung, praktische Umsetzung der BO-Tage und berufliche Anwendungsfälle sowie Reflexions- und Abschlussphasen. Ziel des Austauschs war es, gelingende Praxis sichtbar zu machen, Herausforderungen gemeinsam zu reflektieren und konkrete Ideen für die eigene Umsetzung mitzunehmen. Besonders wertvoll waren die zahlreichen Praxisbeispiele, Methoden und Projektideen, die von den Teilnehmenden eingebracht wurden.

Individuelle Standortbestimmung

Die individuelle Standortbestimmung wurde von vielen Teilnehmenden als wichtiger und aktivierender Einstieg in die BO-Tage beschrieben. Besonders gut gelingt sie dann, wenn die Jugendlichen frühzeitig ins Gespräch kommen, sich mit ihren Interessen und Vorstellungen auseinandersetzen und eine vertrauensvolle Atmosphäre entsteht. Positiv hervorgehoben wurden die Arbeit in kleinen Gruppen, dialogorientierte Methoden und niedrigschwellige Zugänge, die den Jugendlichen Sicherheit für die weiteren BO-Tage geben.

Als konkrete Beispiele wurden Steckbriefe, Tandemgespräche, Partnerinterviews oder Aufstellungen im Raum genannt, um sichtbar zu machen, wo die Jugendlichen aktuell im Berufswahlprozess stehen. Mehrere Teilnehmende berichteten außerdem von Übungen wie „Ich bin stolz auf …“, wodurch eigene Stärken reflektiert werden, oder „Mein Beruf – Das ist mir wichtig“, bei denen Jugendliche sich mit Werten, Interessen und Erwartungen an ihre berufliche Zukunft auseinandersetzen.

Besonders hilfreich sei zudem die Verknüpfung mit den Ergebnissen der Potenzialanalyse. So könnten Interessen, Stärken und individuelle Fragestellungen als roter Faden für die weiteren BO-Tage genutzt werden.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass manche Schülerinnen und Schüler zunächst Schwierigkeiten haben, über sich selbst zu sprechen oder eigene Stärken zu benennen. Teilweise fehle Jugendlichen außerdem ein konkreter Bezug zwischen ihrer Lebenswelt und beruflichen Perspektiven. Als hilfreich beschrieben die Teilnehmenden daher kurze Austauschformate, Bewegungsspiele sowie niedrigschwellige Methoden. Einige Träger berichteten zudem, dass die Durchführung der Standortbestimmung an Schulen teilweise besser gelinge als direkt in den Werkstätten.  

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema individuelle Standortbestimmung.

Praktische Umsetzung der BO-Tage und beruflichen Anwendungsfälle

Im Austausch wurde deutlich, dass berufliche Anwendungsfälle besonders dann gut gelingen, wenn sie realitätsnah, abwechslungsreich und handlungsorientiert gestaltet sind. Viele Teilnehmende berichteten, dass Schülerinnen und Schüler besonders motiviert arbeiten, wenn sie unterschiedliche Tätigkeiten ausprobieren können, eigenverantwortlich arbeiten und am Ende ein sichtbares Ergebnis entsteht.

Positiv hervorgehoben wurden insbesondere wechselnde Tätigkeiten, aufeinander aufbauende Arbeitsaufträge, Teamarbeit und kreative Aufgabenstellungen. Auch Präsentationen der Ergebnisse vor Klassen, Lehrkräften oder Kooperationspartnern wurden als motivierend erlebt und stärkten den Stolz auf die eigene Leistung.

Im Austausch wurden zahlreiche berufliche Anwendungsfälle vorgestellt:

  • Im Berufsfeld Gesundheit wurde ein Unfall-Szenario umgesetzt – von der Unfallrettung über die Versorgung im Krankenhaus bis hin zur Reha.
  • Andere Träger arbeiten mit saisonalen Szenarien wie Skiunfällen im Winter oder Kletterunfällen im Sommer.
  • Im kaufmännischen Bereich wurde ein Modellunternehmen „Druckerei“ vorgestellt, bei dem die Jugendlichen Angebote erstellen und Kundenanfragen bearbeiten.
  • Genannt wurde außerdem der Einsatz von „Luca-Office“, um individuelle Förderung und praxisnahe Arbeitsprozesse zu unterstützen.
  • Eine Einrichtung entwickelte einen berufsfeldübergreifenden Anwendungsfall zwischen Pflege/Medizin und Seefahrt. Die Jugendlichen übten Erste Hilfe und Rettungssituationen auf See, lernten Rettungsmittel kennen, arbeiteten mit einem Schiffssimulator und erhielten Einblicke in berufliche Perspektiven in der Seefahrt.
  • Weitere Beispiele bezogen sich auf Verkaufs- und Telefongespräche, die Eventbranche oder Projekte zur Produkteinführung mit praktischer Herstellung einer Salbe.

Mehrere Teilnehmende beschrieben außerdem, dass Berufsfelder besonders gut angenommen werden, wenn die Jugendlichen ein Werkstück oder ein sichtbares Ergebnis mit nach Hause nehmen können.

Gleichzeitig zeigte der Austausch, dass die praktische Umsetzung stark von der jeweiligen Zielgruppe abhängt. Besonders heterogene Gruppen mit unterschiedlichen Leistungsständen, Sprachbarrieren oder Förderbedarfen stellen viele Träger vor Herausforderungen. Häufig müssen Aufgaben flexibel angepasst oder stärker binnendifferenziert werden. Auch Sicherheitsvorgaben, Materialkosten oder die Umsetzung realistischer Anwendungsfälle in einzelnen Berufsfeldern wurden als Herausforderung beschrieben.

Als hilfreich nannten die Teilnehmenden kleinere Arbeitsschritte, wechselnde Tätigkeiten sowie individuelle Unterstützung. Insgesamt wurde deutlich, dass viele Träger kreative und flexible Wege entwickeln, um die BO-Tage trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen praxisnah und motivierend umzusetzen.

Hier finden Sie weitere Informationen zu den BO-Tagen und dem beruflichen Anwendungsfall und den Berufsfeldern im BOP.

Reflexions- und Abschlussphasen

Die Reflexions- und Abschlussphasen wurden als zentraler Bestandteil der BO-Tage beschrieben. Besonders gut gelingt Reflexion, wenn sie kontinuierlich in die praktischen Erfahrungen eingebunden wird. Viele Teilnehmende berichteten, dass Schülerinnen und Schüler ihre Erfahrungen besser einordnen können, wenn regelmäßig kurze Austausch- und Reflexionsphasen stattfinden.

Genannt wurden unter anderem:

  • individuelle Gespräche nach einzelnen Berufsfeldern,
  • Austausch unter Schülerinnen und Schülern,
  • Skalenarbeit, Stärkekarten und Emotionskarten,
  • Berichtshefte sowie Dokumentationstools zur Selbst- und Fremdeinschätzung.

Mehrere Teilnehmende berichteten außerdem, dass Reflexion besonders wirkungsvoll ist, wenn Bezüge zwischen den praktischen Erfahrungen und der eigenen beruflichen Zukunft hergestellt werden. Häufig werden dabei auch die Ergebnisse aus der Standortbestimmung wieder aufgegriffen.

Positiv hervorgehoben wurde zudem die Einbindung von Eltern, beispielsweise durch Reflexionsgespräche oder Elternabende. Teilweise berichteten Träger von positiven Rückmeldungen, wenn berufliche Perspektiven oder Ausbildungswege gemeinsam besprochen wurden.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass Reflexion nicht für alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen leicht ist. Manche Jugendliche haben Schwierigkeiten, eigene Gedanken sprachlich auszudrücken oder fühlen sich durch zu lange Reflexionsphasen schnell überfordert. Auch die Beteiligung von Eltern wurde insgesamt eher als gering beschrieben.

Als hilfreich nannten die Teilnehmenden deshalb kurze, abwechslungsreiche und niedrigschwellige Reflexionsmethoden sowie auch nonverbale Zugänge. Insgesamt zeigte der Austausch, dass Reflexion besonders dann nachhaltig wirkt, wenn sie wertschätzend gestaltet und eng mit den praktischen Erfahrungen verbunden wird.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Reflexion.

Fazit

Der Erfahrungsaustausch machte deutlich, wie vielfältig und engagiert die BO-Tage bundesweit umgesetzt werden. Besonders wertvoll war der offene Austausch konkreter Praxisideen, Methoden und beruflicher Anwendungsfälle. Die Teilnehmenden nutzten die Veranstaltung gezielt, um voneinander zu lernen, eigene Ansätze zu reflektieren und neue Impulse für die Weiterentwicklung ihrer BO-Tage mitzunehmen.

Die zahlreichen eingebrachten Beispiele zeigten eindrucksvoll, wie kreativ, handlungsorientiert und schülernah die Qualitätsstandards in der Praxis umgesetzt werden können.