3. Jahrestagung des Berufsorientierungsprogramms „Vorteil Vielfalt“

Politische Anstöße, fachlicher Input und lebendige Diskussionen mit knapp 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmern

Erfolgreiche Weiterentwicklung braucht kontinuierlichen Austausch: Vor diesem Hintergrund fand am 2. und 3. Dezember 2013 die dritte Jahrestagung des Berufsorientierungsprogramms im bcc Berlin Congress Center statt. Knapp 450 Interessierte folgten der Einladung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Unter dem Motto „Vorteil Vielfalt“ warteten zahlreiche Vorträge, Workshops und Diskussionen auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Zum Auftakt der Veranstaltung begrüßte Viola-Antoinette Klanten, Referatsleiterin für Berufsorientierung und Chancengleichheit für Jugendliche im BMBF, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem Vergleich zwischen der Jahrestagung und einem Hochzeitstag: So gehe es in beiden Fällen darum, Erinnerungen an bisherige gemeinsame Leistungen Revue passieren zu lassen, die gegenwärtige Situation darzulegen und zu beurteilen sowie sich die Frage zu stellen, wohin es in Zukunft gehen soll. Eine erste Bilanz zu den Erfolgen des Berufsorientierungsprogramms legte Klaus Weber, Arbeitsbereichsleiter im BIBB, in seinen einführenden Worten dar. Darüber hinaus gab er einige Hinweise zum Programmablauf, dessen Höhepunkt der Redebeitrag der Bundesministerin für Bildung und Forschung Prof. Dr. Johanna Wanka bildete.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka mit den Preisträgern und Schülerinnen und Schülern .

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka mit den Preisträgern und Schülerinnen und Schülern.

BIBB/BOP, Fotograf: Jürgen Stumpe

Bildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka: „Keiner darf auf der Strecke bleiben!“

Diese griff den Vergleich von Viola-Antoinette Klanten auf: In einer Ehe ebenso wie in Sachen Bildung und Berufswahl seien Durchhaltevermögen und ein Ziel vor Augen von großer Bedeutung. Mit entsprechender Beratung müsse der Orientierungslosigkeit bei der Suche und dem Finden des passenden Berufs entgegnet werden, insbesondere dann, wenn es an Rückhalt von zu Hause mangele. „Es geht darum, jungen Menschen Mut zu machen für ihren weiteren Weg“, so Prof. Dr. Wanka.

Im Rahmen ihres Redebeitrags berichtete die Ministerin von ihren Besuchen in Einrichtungen des Berufsorientierungsprogramms, bei denen sie ausschließlich positive Rückmeldungen aller Akteure erhalten hatte. Weitere Investitionen in Bildung und Forschung seien mit Blick auf den demographischen Wandel und den drohenden Fachkräftemangel umso wichtiger. „Wir müssen jedem optimale Bildung ermöglichen“, so Prof. Dr. Wanka. Darüber hinaus müsse die Standort-Attraktivität Deutschlands für potentielle Fachkräfte aus dem Ausland gesteigert werden.

Die Ministerin hob die positive Bedeutung der Potenzialanalyse im Rahmen des BOP hervor, welche vor allem eher praktisch veranlagten Jugendlichen ermutige. Individuelle Ansprache sei der Erfolgsfaktor, um die relevanten Zielgruppen zu erreichen.

Für die Zukunft äußerte Prof. Dr. Wanka den Wunsch nach einer möglichst flächendeckenden Umsetzung des Programms sowie auch eine Ausdehnung auf Gymnasien, gemeinsam mit den Ländern. Mit dem diesjährigen Motto „Vorteil Vielfalt“ greife die Jahrestagung ein aktuelles Thema auf, bei dem insbesondere Migrations- und Gender-Fragen Beachtung finden.

Im Anschluss an ihre Eröffnungsrede nahm Prof. Dr. Wanka die Prämierung von „Beispielen Guter Praxis“ im Bereich Gender vor. Ausgezeichnet wurden folgende drei Projekte:

Berufsbildungs- und Technologiezentrum des Handwerks GmbH Lingen: Projektname „Typisch Mädchen – Typisch Jungs?!“

In diesem Berufsorientierungsprojekt wird der Bereich der "Medienwerkstatt" genutzt, um die Auseinandersetzung der SchülerInnen mit Genderthemen zu fördern. Während der Werkstatttage nehmen diese im Bereich der Mediengestaltung  als JournalistInnen eine MultiplikatorInnenrolle ein. Sie arbeiten sich in das Thema Gender und geschlechtsuntypisches Berufswahlverhalten ein und entwerfen eine Gender-Homepage mit Film.

Das Projekt wirkt auf mehreren Ebenen: nicht nur die teilnehmenden Schüler und Schülerinnen im BOP werden durch das Projekt sensibilisiert, sondern auch die Homepage-Betrachter (Eltern, LehrerInnen etc.) sowie vor allem die Peer-Group. Zudem spricht die moderne Umsetzung (Veröffentlichung auf Youtube) die Jugendlichen unmittelbar in ihrer Lebenswelt an. In der Vorbereitung wird für die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlecht sensibilisiert und dies mittels biographischer Reflexion gefestigt. Dadurch können positive Rollenvorbilder gezielter auf das Berufswahlverhalten wirken. Die Umsetzung der Homepage/ des Film liegt anschließend selbsttätig in der Hand der Teilnehmenden;  Aussagen der Jugendlichen werden nicht zensiert.

Im 2. Durchgang der diesjährigen Werkstatttage im November 2013 mit Haupt- und Förderschulen wurden junge Frauen in einem männlich dominierten Ausbildungsgang vorgestellt (z.B. Zimmerin) bzw. junge Männer in weiblich geprägten Berufen (z.B. Erzieher).

Bildungszentrum des Handels e.V. Märkischer Kreis: Projektname „Jeder Mensch ist unterschiedlich und einmalig“

Die SchülerInnen sollen auf eine Berufswahl unabhängig von gesellschaftlichen Konventionen vorbereitet werden,  was in diesem Projekt durch Rollenspiele und geschlechterparitätische Zusammensetzung der Gruppen unterstützt wird. Auch die Ausbildenden sind gehalten, geschlechterneutrale Bilder und Sprache zu verwenden. Sie werden bewusst rollenuntypisch ausgewählt, um eine stärkere Identifikation zu ermöglichen (Bspw. ist im Gewerk „Gesundheit, Erziehung, Soziales“ ein Ausbilder, im Gewerk „Wirtschaft und Verwaltung“ eine Ausbilderin präsent).


Am letzten Werkstatttag wird ein Workshop zum Thema Berufsaufklärung angeboten, der bspw. das geschlechts-unterschiedliche Einkommen, Gleichstellung im Laufe des Lebens und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Männer und Frauen behandelt. Damit werden tagesaktuelle und auch gesellschaftspolitisch relevante Punkte aufgegriffen. Definiert wurden Subziele (30% geschlechtsuntypische Wahl bei der Werkstatttagen) und eine biographische Elternansprache, um einen Perspektivenwechsel anzustoßen.  Als „Highlight“ erhält jede/jeder Teilnehmende, die/der die Werkstatttage in einem untypischen Berufsfeld verbracht hat  einen Button als Auszeichnung.

Handwerkskammer Magdeburg Projektname „Berufsorientierung mit Mädchen und Jungen“

Anstoß für die Fokussierung auf Genderaspekte in der Berufsorientierung bei der HWK Magdeburg war der Fachkräftemangel in der Elektro- und Metallbranche in der Region. Während der Berufsorientierung wurden bei den SchülerInnen in der Vergangenheit immer wieder klassische Rollenvorstellungen beobachtet, die auch von den Eltern nicht durchbrochen werden konnten.

Ziel des Projekts ist es, dass beide Geschlechter einen Berufe-Mix kennenlernen, der zukunftsfähig ist und nach den Potenzialen, nicht aber nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgerichtet ist. Mit Vorbildern wird das eigene Verhalten reflektiert und dabei bewusst auf die individuellen Faktoren der SchülerInnen geachtet (soziale Herkunft, Elternhaus, Talente…).

Ein weiterer Schwerpunkt dieses Konzepts ist die Zusammenarbeit mit den Eltern: die einzelnen Projektaufträge werden bei einem Elternabend vorgestellt und zur Diskussion gestellt, um die eigenen stereotypen Vorurteile zu erkennen und die Eltern explizit als Unterstützer in der Berufswahl zu gewinnen.

Die dritte Säule des Konzepts ist das Engagement auf dem Feld der Lehrerausbildung. Die HWK bietet die berufspraktische Befähigung in den Werkstätten an und arbeitet hier mit der Universität Magdeburg zusammen, um LehramtsstudentInnen für Gender in der Berufsorientierung zu sensibilisieren. Die Öffentlichkeit wird mittels Netzwerkarbeit stark einbezogen (Presse, Handwerkszeitung, Messen, Uni-Fachtagungen etc.).

Jedes der Projekte wurde auf der Bühne durch Vertreter des Trägers sowie ausgewählte Schülerinnen und Schüler repräsentiert. Bildpräsentationen vermittelten lebendige Eindrücke der Berufsorientierung vor Ort.

„Vielfalt als Chance in der Berufsorientierung?“

Im diesjährigen Fachbeitrag der Veranstaltung hinterfragte Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl, Professorin für Entwicklungspsychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität Koblenz-Landau, „Vielfalt als Chance in der Berufsorientierung“.  Sie erörterte  die Chancen personeller und sozialer Vielfalt als wirtschaftlichen Vorteil von „Diversity Management“ im Unternehmenskontext und stellte die Frage nach der Übertragbarkeit des Diversity-Prinzips auf den Bereich der Berufsorientierung in den Raum.

In diesem Zusammenhang erläuterte die Referentin beispielhafte Fragenstellungen zu Gender, Migration und Inklusion anhand von Hintergründen, Maßnahmen und Schwierigkeiten ausgewählter Projekte. Berufsorientierung als lebenslanger Prozess ist nach Prof. Dr. Quaiser-Pohl dem sozialen und gesellschaftlichen Wandel unterworfen. Informationsdefizite aber auch ein Übermaß an beruflichen Möglichkeiten und Angeboten können dabei zum Problem werden.

Um Vielfalt zukünftig als Chance in der Berufsorientierung nutzen zu können, postulierte Prof. Dr. Quaiser-Pohl die Abkehr von der „Defizitorientierung“ des Diversity-Begriffs hin zur Akzeptanz von Unterschieden und Andersartigkeiten und damit zu einem positiven Verständnis. Kritisch sah Prof. Dr. Quaiser-Pohl die Beschränkung von Projekten der Berufsorientierung auf meist nur eine einzelne Diversity-Dimension: Um Vielfalt als Vorteil zu nutzen, müssen vielmehr alle  vorhandenen Ressourcen gleichzeitig berücksichtigt werden.

Fachvortrag von Frau Quaiser-Pohl: „Vielfalt als Chance“

Dieser Vortrag steht Ihnen auf überaus (Community –> Gruppe Berufsorientierungsprogramm –> Dateiablage) zum Download zur Verfügung.

Erste Zwischenergebnisse der Programmevaluation: Positive Aussichten

Dr. Jörn Sommer von der InterVal GmbH zog in seinem Vortrag eine erste Zwischenbilanz der wissenschaftlichen Evaluation des Berufsorientierungsprogramms. Einführend stellte er das Evaluationsteam, die theoretischen Grundlagen und das Gesamtkonzept der Evaluation vor, das qualitative und quantitative Befragungen der am BOP beteiligten Akteure und Beobachtungen im Feld vorsieht.

Im Hinblick auf die regionale Verteilung ist das Bundesland Nordrhein-Westfalen überproportional vertreten. Insgesamt bieten die Träger den Jugendlichen ein breites Angebot an Berufsfeldern aus beiden vorgegebenen Blöcken (Handwerk und Dienstleistung). Die qualitativen Interviews mit Schülerinnen und Schülern zeigten, dass bei den Jugendlichen vor Teilnahme am Berufsorientierungsprogramm in der Regel bereits ein Berufswunsch vorhanden ist, jedoch selten fundiert. Die berufliche Zukunft wird von den Schülerinnen und Schülern überwiegend als deren Eigenverantwortung wahrgenommen, bei der sie aber durchaus auf Ratschläge von außen zurückgreifen. Dabei spielen sowohl die Meinungen von Eltern als auch von Peers eine wichtige Rolle.

Bei den Trägern wurden enorme große Unterschiede  hinsichtlich des Stellenwerts des Berufsorientierungsprogramms in Relation zu anderen Arbeitsfeldern ihrer Rahmenbedingungen identifiziert. So lag z. B. im Schuljahr 2012/2013 je nach Träger zwischen 13 und knapp 1600 Schülerinnen und Schülern. Die Schnittstelle zwischen Potenzialanalyse und Werkstatttagen erwies sich insgesamt zwar als gut. Schwierigkeiten zeigten sich insbesondere dann, wenn die Potenzialanalyse durch Kooperationspartner oder andere Akteure durchgeführt wurde. Potenzialanalyse und Werkstatttage werden weitgehend den Standards entsprechend umgesetzt, bei der Berücksichtigung von Genderaspekten gibt es größere Unterschiede. Die befragten Schulen weisen bisher eine hohe Zufriedenheit mit Potenzialanalysen und Werkstattgesprächen auf. Lehrkräfte nehmen positive Entwicklungsprozesse der Schülerinnen und Schüler im Anschluss an die Teilnahme am BOP wahr, die einen optimistischen Blick auf die weiteren Ergebnisse der Evaluation zulassen.

Vortrag Evaluation von Herrn Sommer: Vortrag Interval

„qualiboXX“: Ein Netzwerk für Austausch und neue Arbeitsimpulse

Frank Neises vom BIBB stellte in seinem Kurzvortrag „qualiboXX“, die Kommunikations- und Arbeitsplattform für Fachkräfte und Akteure in den Handlungsfeldern am Übergang Schule und Beruf vor. Herzstück des Portals ist die „Community“, in der sich mittlerweile über 17.000 registrierte Nutzer in verschiedenen interaktiven Arbeitsgruppen austauschen und vernetzen. Im Zusammenhang mit der Vorstellung der qualiboXX erörterte Frank Neises auch die themenbezogene Gruppe für das Berufsorientierungsprogramm, in der im Anschluss an die Jahrestagung verschiedene Materialien auf die Gäste warten. So können diese dort u.a. Feedback zur Veranstaltung hinterlassen, Ergebnisse aus der Trägerbefragung einsehen und Wünsche für kommende Workshops einbringen.

Weitere Elemente von qualiboXX sind die „Lernbox“ mit über 100 Lernangeboten aus dem Grundlagenbereich zur individuellen Förderung und Kompetenzfeststellung sowie der Bereich „Institution“ zur Arbeit mit Lernenden. An zwei ausgewählten Beispielen verdeutlichte der Referent den interaktiven, spielerischen und multimedialen Charakter des Portals, welches eine gute Begleitung für Aktivitäten rund um Berufsorientierung und darüber hinaus darstellt.

Kurzvortag qualiboXX von Herrn Neises

Dieser Vortrag steht Ihnen auf überaus (Community –> Gruppe Berufsorientierungsprogramm –> Dateiablage) zum Download zur Verfügung.

„S’Cool Wiki“: Begleitung bis in die Ausbildung mit Web 2.0

Im zweiten Kurzvortrag des Tages gab Petra Gohlke vom Elektro Technologie Zentrum (etz) Stuttgart einen Einblick in „S’cool Wiki“, einem Projekt, dem die Idee einer Übergangsbegleitung bis in die Ausbildung hinein zu Grunde liegt. Mit der Gestaltung als Web 2.0-Plattform im modularen Baukastenprinzip wird eine kontinuierliche, virtuelle Hilfestellung für Terminorganisation und Vorbereitung sowie Kompetenzanalyse und Auswertung sichergestellt. Im Vordergrund stehe die Bindung der Schülerinnen und Schülern mit dem Betrieb. Den Jugendlichen werden in ihrem Arbeitsbereich auf S’cool Wiki dabei viele Freiheiten gelassen. So können sie eigenständig Inhalte einstellen, kommentieren oder ganze Beiträge verfassen.

Für den Erfolg des Projekts spricht u.a., dass die Zahl der eingebundenen Praxisbetriebe derzeit von 20 auf 50 ausgeweitet wird. Die Ergebnisse der Evaluation sind darüber hinaus äußerst positiv: Nach Einschätzung der beteiligten Betriebe unterscheidet sich ein S’cool Wiki-Praktikant von anderen Praktikanten, weil er besser vorbereitet ist. Aufgrund der Erfahrungen wird das etz Stuttgart die Arbeit fortsetzen und am Transfer der Idee arbeiten, welche grundsätzlich gut  zur Begleitung des Berufsorientierungsprogramms passt.

Kurzvortrag „s cool Wiki“ (Gohlke)

Dieser Vortrag steht Ihnen auf überaus (Community –> Gruppe Berufsorientierungsprogramm –> Dateiablage) zum Download zur Verfügung.

„azubot“: Bessere Orientierung durch filmische Darstellung von Berufen

Eine weitere Online-Plattform, die zur Orientierung bei der Berufswahl beiträgt, wurde, von Ronald Jochmann und Sacha Kirchberger vorgestellt. Auf www.azubot.de finden sich mittlerweile rund 130 Ausbildungsfilme, die Jugendlichen knapp und strukturiert einen Einblick in unterschiedliche Berufe liefern. Ziel sei es, den Jugendlichen zu helfen, „ihre Zukunft zu finden“, Ideen für Praktika zu generieren und letztendlich durch ein besseres Bild des Berufsalltags die Abbrecherquote bei Ausbildungen zu senken.
Die Filme sind so gestaltet, dass sich die Jugendlichen darin wiederfinden: Gemeinsam mit den Verantwortlichen von azubot entwerfen Auszubildende einen geeigneten Drehplan und werden selbst zu Protagonisten. Die Referenten betonten den eingeschränkten Einfluss von Marketingabteilungen in Unternehmen, schließlich sollen ausdrücklich keine Imagefilme entstehen.

Ergänzt werden die Ausbildungsfilme auf azubot durch einen Veranstaltungskalender sowie ein Ausbildungsplatzverzeichnis. Mit dem Ergebnis ihrer Bemühungen sind die Verantwortlichen durchaus zufrieden: So erreichte azubot 2013 über 400.000 Jugendliche. Weitere Filme und ergänzende Maßnahmen sind bereits in Planung.

Kurzvortrag „Azubot“

Dieser Vortrag steht Ihnen auf überaus (Community –> Gruppe Berufsorientierungsprogramm –> Dateiablage) zum Download zur Verfügung.

„JobLab“: Stärken- und Interessenfokus statt Branchenorientierung

Den letzten Kurzvortrag des ersten Tages hielt Franco Calchera von JOBLAB & DIVERSITY zu www.joblab.de, das anstelle einer branchengeleiteten Berufsorientierung eine individualisierte Herangehensweise auf Basis eigener Fähigkeiten, Eigenschaften und Wünsche ermöglicht.

Dazu werden im ersten Schritt 27 Faktoren, die sich aus einer Vorstudie ergaben, von den Schülerinnen und Schülern nach ihren persönlichen Vorstellungen für den späteren Beruf gewichtet. Der entstehende „Traumjob“ wird schließlich mit den Attributen von derzeit 158 Ausbildungsberufen bzw. 168 Studienfächern auf den Grad der Übereinstimmung abgeglichen. Wenn gewünscht, kann zusätzlich eine Fremdeinschätzung (z.B. durch Lehrerkräfte) und die Auswirkungen einer Veränderung der Lebenssituation im Verlauf der Berufszeit einbezogen werden. Am Ende lassen sich relevante Berufe im direkten Vergleich hinsichtlich Eignung und Interesse des jeweiligen Jugendlichen gegenüber stellen.

Als Vorteile von JOBLAB führte Franco Calchera den modularen, vielseitigen und offenen Aufbau an, der eine Anpassung an divergierende kulturelle Rahmen und mehrsprachige Versionen erlaubt, es aber ebenso notwendig macht, ein eigenes Konzept für den Einsatz zu erarbeiten.

Kurzvortrag „JobLab“ (PDF)

Dieser Vortrag steht Ihnen auf überaus (Community –> Gruppe Berufsorientierungsprogramm –> Dateiablage) zum Download zur Verfügung.

Zweiter Veranstaltungstag

Den Auftakt des zweiten Veranstaltungstages machte Klaus Weber vom BIBB. Er rief die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die anstehenden Workshops in fünf Foren dazu auf, sich auf einen Perspektivwechsel zu den Themen Inklusion, Gender, der Rolle der Eltern, Evaluation und interkulturelle Kompetenz einzulassen. Zuvor lud er die Gäste noch auf die begleitende Messe und den Spiele-Parcours ein.

Forum 1: „Alles inklusiv? Berufsorientierung und Inklusion“ (Moderation: Frank Neises, BIBB)

Der Moderator führte mit dem Hinweis in das Forum ein, dass die Inklusionsdebatte auf sehr verschiedenen Ebenen stattfindet. In der Berufsbildung werden häufig zwei Lesarten diskutiert: ein breiter gefasster Begriff, der Inklusion eher als eine Frage von Werten und Haltungen für Alle im Sinne der Teilhabe begreift und einem enger gefassten Begriff, der auf Menschen mit Beeinträchtigungen fokussiert. Das Forum widmete sich dann stärker der praktischen Umsetzung verschiedener Modelle der inklusiven Berufsorientierung.

Als erstes Beispiel in diesem Bereich stellten Ilona Rübsamen und Anika Soytürk die Integrierte Gesamtschule Kelsterbach vor. Zur Koordination und Umsetzung des Programms hinsichtlich Berufsorientierung gibt es dort eine Projektstelle zur Förderung der Berufsreife. Sämtliche Aktivitäten finden dabei im Klassenverband sowie im Falle eines besonderen individuellen Förderbedarfs durch intensivierende Maßnahmen statt. Wichtiges Element ist die Kooperation mit lokalen Partnern wie Vereinen und Unternehmen. Als Defizit wurde insbesondere fehlende (personelle) Ressourcen zur Umsetzung der inklusiven Berufsorientierung angeführt und im Rahmen der abschließenden Diskussion von verschiedener Seite bestätigt.

Der zweite Vortrag von Jens Vogel drehte sich rund um das Projekt PraWO Plus, durch das das Handlungsfeld „Berufsorientierung“ im Rahmen der „Initiative Inklusion“ in Thüringen umgesetzt wird. Zielgruppe von PraWO plus seien vorwiegend G-Schüler, d.h. Schüler mit geistiger Behinderung, insbesondere in den letzten Schuljahren. Ihnen sollen durch das Projekt Informationen und Alternativen zum „klassischen“ beruflichen Werdegang in der Werkstatt für Behinderte aufgezeigt werden, u.a. durch betriebliche Praktika. Ein direkter Einstieg von G-Schülern in den Arbeitsmarkt sei nach wie vor viel zu selten. Um hier Abhilfe zu schaffen, wurden in der abschließenden Diskussion insbesondere politische Ansätze gefordert, um bessere Voraussetzungen für die Schaffung von regulären Ausbildungs- und wertschätzenden Arbeitsplätzen zu erreichen. In der abschließenden Diskussion wurde gefordert, dass es verstärkt guter Beispiele aus der Praxis bedarf, die zur Nachahmung anregen und in die Fläche getragen werden müssten, gleichzeitig aber auch an den bestehenden Systemen gearbeitet werden müsse, um Teilhabe und Zugänge zum ersten Arbeitsmarkt für alle Jugendlichen zu schaffen.

Vortrag Forum 1: IGS

Vortrag Forum 1: Vogel

Diese Vorträge stehen Ihnen auf überaus (Community –> Gruppe Berufsorientierungsprogramm –> Dateiablage) zum Download zur Verfügung.

Forum 2: Gendersensible Berufsorientierung (Moderation: Katrin Böhnke, BIBB)

Silke Andrzcjewski und Nadia Atiyeh vom Bildungszentrum des Handels e.V. Märkischer Kreis eröffneten dieses Forum mit einem Vortrag zur Umsetzung des Berufsorientierungsprogramms unter dem Leitbild ihrer Einrichtung, welches Gender als zentralen Aspekt aufgreift. Dabei stellten die Referentinnen von vorneherein klar, dass es nicht um den Angleich der Geschlechter, sondern vielmehr die Vermittlung geschlechterunabhängigen Wissens gehe, ganz nach dem Vorsatz „different, but equal“.

Bei den Schülerinnen und Schülern lässt sich ein Aufklärungsbedarf hinsichtlich der Gender-Thematik identifizieren, die im Rahmen der Berufsorientierung geleistet werden muss. Als weiteres Problem führten Silke Andrzcjewski und Nadia Atiyeh Klischeedenken und mangelhafte Information der Eltern an, was die Erfahrungen der Forums-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer bestätigten. Gezielte Elternarbeit bildet demnach die Grundlage für die erfolgreiche Gestaltung gendersensibler Berufsorientierung. Zudem stellte Frau Atiyeh methodische Übungen vor, die sie mit den BOP-SchülerInnen am letzten Tag der Werkstattage durchführen und die zu einem Rollenwechsel anregen – so können Stereotype und Klischees überprüft und reflektiert werden.

Praktische Anhaltspunkte lieferte der anschließende Vortrag von Wenka Wentzel und Lore Funk aus dem Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. mit Beispielen u.a. zu Praxistests, Identifikationsmöglichkeiten und klaren Anforderungsprofilen. Vielfältige Ergebnisse aus den Evaluationen des bundesweiten Girls`und Boys`Day zeigen: Das Ziel einer gendersensiblen Gestaltung von Berufsorientierung ist das Entdecken von geschlechterunabhängigen Talenten, eine Sensibilisierung für den breiten Berufehorizont und ggf. die Erweiterung des Berufswunschspektrums. Hilfreich kann schon sein, sich durch das praktische Ausprobieren in Berufen klar zu werden: das liegt mir nicht. Denn selbst diese Erkenntnis ist ein Gewinn auf dem Weg zum Beruf und hilft möglicherweise, einen Ausbildungsabbruch zu vermeiden. In Kleingruppen diskutierten die Foren-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer abschließend ihre diesbezüglichen Erfahrungen.

Vortrag Forum 2: Nadia Atiyeh

Vortrag Forum 2: Lore Funk und Wenka Wentzel

Diese Vorträge stehen Ihnen auf überaus (Community –> Gruppe Berufsorientierungsprogramm –> Dateiablage) zum Download zur Verfügung.

Forum 3: Zusammenarbeit mit Eltern in der Berufsorientierung (Moderation: Silvia Hofmann, BIBB)

Als Einführung in das dritte Forum stellte Moderatorin Silvia Hofmann die Rolle der Eltern als die, mittlerweile auch empirisch belegten,  wichtigsten Begleiter und Berater im Prozess der Berufswahl ihrer Kinder noch einmal heraus. Sie führte weiter aus, dass erfolgreiche Zusammenarbeit der Akteure mit den Eltern sich nicht verordnen lässt, sondern dass hier Einsicht, Bewusstheit und Wertschätzung sowie Akzeptanz auf allen Seiten für die Verschiedenheit und den konkreten Facettenreichtum gefordert ist. Daran anschließend griff BIBB-Mitarbeiterin Angelika Puhlmann in ihrem Vortrag das Thema der Rolle der Eltern noch mal auf und widmete sich den Fragen nach den zur Verfügungen stehenden Angeboten – für die Information der Eltern einerseits und für die Kommunikation der Institutionen andererseits. Besonderes Augenmerk wurde auf das Thema Online-Auftritte gelegt. Als negativ werden in diesem Zusammenhang zu viel Text, irreführende Menüs und negative Slogans angesehen. Ziel müsse eine Vereinfachung durch klare Formulierungen, starke grafische Elemente und die Einbindung positiver Slogans sein. Die Referentin hielt ihr Publikum dazu an, bei der Einbindung der Eltern in die Berufsorientierung stets die Zielgruppe im Blick zu behalten. Als Herausforderungen für die Zukunft brachte die Diskussion Ressourcenbeständigkeit bei Personal und Budgetierung, eine stärkere direkte Ansprache der Eltern und deren Einbindung in die Praxis sowie die Verbesserung von Koordination und Vernetzung bestehender Initiativen hervor.

Letzteres wurde auch bei der Diskussion im zweiten Workshop aufgegriffen, bei dem Gerd Schröder das Projekt „Sozialraumorientiertes Übergangsmanagement Dithmarschen“ aus dem Landkreis Dithmarschen/Schleswig-Holstein vorstellte. Neben der Arbeit mit Schülern und jungen Erwachsenen spielen hier spezielle Angebote für Eltern eine zentrale Rolle. Bei der Gestaltung der in diesem Zusammenhang entstandenen Kommunikationsmittel (Elternfahrplan-Broschüre, Online-Angebot inkl. Lehrstellen- und Praktikumssuche) wurden die im ersten Workshop dargestellten Anforderungen berücksichtigt, weshalb sie großes Lob der Foren-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer erhielten. In vereinzelten Fällen gelingt die Aktivierung der Eltern hinsichtlich der Berufsorientierung und -wahl ihrer Kinder trotz aller Angebote jedoch nicht, so Schröder. Hier setzen dann weitere Maßnahmen von Jugendsozialarbeit und Jugendhilfe an. Kritisch angemerkt wurden in diesem Zusammenhang die oftmals vorherrschenden schwierigen verwaltungstechnischen Vorgaben bei Förderabläufen.

Vortrag Forum 3: Puhlmann

Vortrag Forum 3: Schroeder

Diese Vorträge stehen Ihnen auf überaus (Community –> Gruppe Berufsorientierungsprogramm –> Dateiablage) zum Download zur Verfügung.

Forum 4: Für die Berufswahl kompetent machen (Moderation: Carolin Kunert, BIBB)

Im ersten Teil des Forums 4 wurden zunächst theoretische Grundlagen zum Begriff der „Berufswahlkompetenz“ vermittelt, wie er auch im Rahmen der Evaluation des BOP Verwendung findet. Prof. Dr. Ratschinki von der Leibniz Universität Hannover stellte in seinem Vortrag dazu ein Modell der Berufswahlkompetenz vor, welches sich aus drei grundlegenden Komponenten Adaptabilität, Identität und Resilienz zusammensetzt. In verschiedenen Untersuchungen wurde überprüft, ob die Merkmale dieses Modells entwicklungsabhängig sind und Effekte pädagogischer Maßnahmen abbilden. Auf dieser Basis präsentierte Prof. Dr. Ratschinski schließlich Eckdaten und Ergebnisse dieser Untersuchungen sowie Erkenntnisse zu Effekten verschiedener Berufsorientierungsmaßnahmen (siehe Präsentation). In der folgenden Diskussion kam zum Ausdruck, dass ein „Zuviel“ an Maßnahmen durchaus negative Effekte auf die Berufswahlkompetenz haben kann. Die erwiesene Wirksamkeit praktischer Erfahrungen im Hinblick auf die Berufswahlkompetenz ist nach Prof. Dr. Ratschinski dann besonders ausgeprägt, wenn Schülerinnen und Schüler bei der Beschäftigung mit einem Berufsfeld sich ihren Bedürfnissen entsprechend und sozial eingebunden fühlen, ihnen darüber hinaus Mitsprache gewährt wird und sie ihre Fähigkeiten zeigen können.

Die zweite Workshoprunde stand im Zeichen der praktischen Ausgestaltung der Förderung von Kompetenzen auf Grundlage von Potenzialanalysen. So stellte Joachim Winter den Zuhörern zunächst den dritten Band der Handreichung „Potenziale erkennen und fördern. Qualität entwickeln 3: Individuelle Förderung auf der Grundlage von Potenzialanalysen“ vor, das sich an unterschiedliche Akteure in der Berufsorientierung, insbesondere an die Träger im BOP, Berufseinstiegsbegleiter/-innen sowie Schulen bzw. Lehrerinnen und Lehrer richtet. Anschließend berichteten Peggi Nischwitz und Silvia Walter aus der Praxis im BOP und der Berufseinstiegsbegleitung, wie beim ibs e.V. Bremen die Kompetenzentwicklung im Anschluss an die Potenzialanalyse konkret gefördert wird. Durch eine Befragung der begleitenden Lehrkräfte werden diese dazu angeregt, über eine Weiterarbeit mit den Ergebnissen aus der Potenzialanalyse in der Schule nachzudenken.  Am Fallbeispiel „Julia“ erläuterte Frau Walter, wie das Züricher Ressourcen Modell die Kompetenzentwicklung begleitend unterstützen kann. Übergreifend waren sich die Referenten einig, dass Lehrer bei der Berufsorientierung und individuellen Förderung eine zentrale Rolle einnehmen, und externe Maßnahmen lediglich unterstützend wirken können, beispielsweise um Interesse zu wecken, Potenziale aufzuzeigen oder Empfehlungen zur Förderung auszusprechen. Die Kompetenzentwicklung kann nur durch die Jugendlichen selbst geleistet werden.

Vortrag Forum 4: Peggi Nischwitz und Silvia Walter

Vortrag Forum 4: Prof. Dr. Ratschinski

Vortrag Forum 4: Joachim Winter

Diese Vorträge stehen Ihnen auf überaus (Community –> Gruppe Berufsorientierungsprogramm –> Dateiablage) zum Download zur Verfügung.

Forum 5: Vielfalt in der Berufsorientierung – Interkulturelle Kompetenz (Moderation: Klaus Weber, BIBB)

Zum Einstieg in das Thema „Vielfalt in der Berufsorientierung- Interkulturelle Kompetenz“ führten Ursula Neuhof und Jouanna Hassoun in diesem Forum eine kurze Teilnehmerumfrage nach beruflichem Kontext sowie Erfahrungswerten rund um das Thema Diversity durch, um die Ergebnisse anschließend mit aktuellen deutschlandweiten Zahlen abzugleichen. Hinsichtlich des Themas Berufsorientierung zeigt der Anti-Diskriminierungsbericht des Bundes (2013), dass es Jugendliche mit Migrationshintergrund, Behinderung und homosexueller Orientierung besonders schwer haben, in das Berufsleben einzutreten. Als Gründe führten die Referentinnen u.a.  gesellschaftliche Vorurteile an. Ein genereller Perspektivwechsel hin zur Anerkennung und Förderung der vorhandenen Potentiale junger Migrantinnen und Migranten (z.B. Sprachen, Flexibilität) sei erstrebenswert. Auf die Frage nach der Umsetzung betonte Ursula Neuhof die Bedeutung von Maßnahmen wie Empowerment-Trainings und

Mentoren-Programme für Jugendliche mit Migrationshintergrund. Ausreichend Investitionen in den Bildungssektor seien hierfür jedoch grundlegend.

Im Anschluss daran stellte Dr. Mona Granato Ergebnisse zu vieldiskutierten Annahmen in der Frage der Chancengleichheit von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund vor. Diese zeigen, dass Bewerber mit Migrationshintergrund selbst unter sehr guten Voraussetzungen, geringere Übergangschancen zu einer beruflichen Ausbildung haben als Bewerber ohne Migrationshintergrund. Selbst mit den gleichen schulischen, kulturellen, familiären und sozialen Voraussetzungen haben Schulabgänger mit Migrationshintergrund signifikant geringere Chancen in eine berufliche Ausbildung einzumünden. Wenngleich die Ursachen hierfür  noch nicht abschließend geklärt sind, spiele es womöglich eine wichtige Rolle, so Frau Dr. Granato, dass es in vielen Regionen Deutschlands an betrieblichen Ausbildungsstellen mangelt,  oft genau dort wo viele Migrantinnen und Migranten leben. Zustimmung der Foren-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer erhielt die Referentin für Ihren Vorschlag eines anonymisierten Bewerbungsverfahrens, um einen unvoreingenommenen Entscheidungsprozess in den Unternehmen und somit eine faire Chance für Alle zu ermöglichen, sowie für den Vorschlag, eine zweite Chance in Form berufsbegleitender, modularer Nachqualifizierung stärker zu fördern.

Vortrag Forum 5: Jouanna Hassoun und Ursula Neuhof

Kurzversion Beitrag Forum 5: Mona Granato

Unter diesem Link finden Sie den ausführlichen Beitrag von Frau Granato als vertiefte Information im Zusammenhang mit dem Thema des Forums 5 auf der BOP Jahrestagung 2013:

Beitrag Mona Granato: Berufsorientierung in Zeiten des demografischen Wandels

Diese Vorträge stehen Ihnen auf überaus (Community –> Gruppe Berufsorientierungsprogramm –> Dateiablage) zum Download zur Verfügung.

Diskussion: „Erfolgreiche Berufsorientierung: Stärken fördern oder Bedarfe decken?“

Im Anschluss an die Foren bildete eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Erfolgreiche Berufsorientierung: Stärken fördern oder Bedarfe decken?“ den Abschluss der Jahrestagung. Moderator Prof. Dr. Michael Heister, Abteilungsleiter im BIBB, begrüßte dazu Prof. Dr. Günter Ratschinski von der Leibniz Universität Hannover, Dr. Ellen Walther-Klaus von MINT Zukunft e.V. sowie Bert Butz vom BIBB.

Großes Thema im Rahmen der Diskussion war die Frage nach den Voraussetzungen, die  Auszubildende aus Sicht der Betriebe mitbringen muss. Das Podium war sich darin einig, dass nicht nur die formale Eignung entscheidend sei, sondern ebenso spürbare Motivation und erkennbares Bemühen eine Rolle spiele. Schüler/-jnnen mit Stärken eher im praxisorientierten Arbeiten dürfen nicht auf der Strecke bleiben. „Unternehmen haben in diesem Zusammenhang erkannt, dass sie auf die Vielfalt reagieren müssen“, konstatierte Dr. Walther-Klaus, „insbesondere mit Blick auf den demographischen Wandel und den Fachkräftemangel.“

Prof. Dr. Ratschinski hielt darüber hinaus fest, dass die Selbsterwartungen der Jugendlichen insgesamt immer stärker wachsen. Wichtig ist, dass im Berufsorientierungsprogramm  interessen- bzw. kompetenzorientiert vorgegangen wird. Dem stimmte Bert Butz zu: „Wenn jemand etwas nicht wirklich beruflich machen will, dann werden weder er noch sein Arbeitgeber glücklich damit.“ Schließlich spielen  für eine passende Berufswahl (Work-Life-Balance, soziale Aspekte etc.) sehr viele Aspekte eine Rolle.

Berufsorientierungsmaßnahmen sollten bedürfnis- und personenorientiert ausgerichtet sein, um individuelle Unterschiede zu berücksichtigen, wie Prof. Dr. Ratschinski auf die Frage nach der Unterscheidung verschiedener Leistungsstufen der Berufsorientierung festhielt. In diesem Zusammenhang spielt für Bert Butz die Potentialanalyse eine wichtige Rolle, die den  individuellen Entwicklungsprozess der Jugendlichen unterstützt, Berufsorientierung zu Zwecken der Werbung von Auszubildenden zu nutzen, sollte  nach Dr. Walther-Klaus nicht die Regel sein. Jedoch hält sie das Vorgehen gerade hinsichtlich wenig attraktiver Handwerksberufe (z.B. Schlachter) durchaus für verständlich und für legitim, um den notwendigen Nachwuchs zu generieren.  Zum Schluss der Diskussion äußerten die Podiumsgäste ihre Wünsche für die Berufsorientierung. Dazu gehörten ein exemplarischer Rollentausch zwischen Lehrern und Ausbildungsleitern im Betrieb, um die jeweils andere Perspektive kennen zu lernen,  eine weitere Senkung der Zahl an Jugendlichen ohne Abschluss sowie  die Überwindung des Föderalismusdefizits zur Gestaltung von Programmen, die wirklich alle erreichen.