Allgemeine Informationen zum Berufsorientierungsprogramm

Das Berufsorientierungsprogramm richtet sich an Schülerinnen und Schüler der siebten und achten Klasse. Erst erkunden sie ihre Stärken in einer Potenzialanalyse, dann testen sie in den Werkstatttagen verschiedene Berufsfelder aus.

Schülerinnen und Schüler an der Werkbank zusammen mit einem Ausbilder.

BIBB/BOP, Fotografin: ANNEGRET HULTSCH Photography

Logo Berufsorientierungsprogramm

Berufsorientierungsprogramm

Viele Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich im Berufsorientierungsprogramm (BOP) zum ersten Mal mit der Frage: „Was will ich später beruflich machen?“ Genau das ist das Ziel des Programms: die jungen Menschen anregen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dies geschieht nicht im stillen Kämmerlein, sondern in echten Werkstätten. Hier können die Jugendlichen austesten, worin sie gut sind und was ihnen Spaß macht.

Bei ihrer Teilnahme am BOP entwickeln viele Jugendliche Ideen, in welche berufliche Richtung sie einmal gehen möchten – und was das passende Praktikum für sie wäre. Und zwar nicht, weil der Praktikumsbetrieb um die Ecke von Zuhause liegt – sondern weil es möglicherweise der erste Schritt zum eigenen Wunschberuf ist.

Das BOP ist inklusiv, denn es geht auf die unterschiedlichsten individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen ein. Die Konzepte sind so geschneidert, dass sie allen Schülerinnen und Schülern von Gymnasien bis hin zu Förderschulen gerecht werden.

Fakten zum Berufsorientierungsprogramm

Logo BIBB

Bundesinstitut für Berufsbildung

Das Programm zur "Förderung der Berufsorientierung in überbetrieblichen und vergleichbaren Berufsbildungsstätten" – kurz Berufsorientierungsprogramm – wurde im Jahr 2008 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufen. Bis Anfang 2016 wurden Zuschüsse in Höhe von über 420 Millionen Euro bewilligt. Damit werden im Zeitraum 2008 bis Sommer 2017 fast 975.000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Über 300 Bildungsstätten mit mehr als  3.000 Schulen sind bundesweit als Kooperationspartner am BOP beteiligt.

Die Betreuung des Programms ist im Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn angesiedelt (Kontakt).

Das Berufsorientierungsprogramm als Teil der Initiative Bildungsketten

Logo Bildungsketten

Initiative Bildungsketten

Der pädagogische Ansatz und die Instrumente des Berufsorientierungsprogramms Potenzialanalyse und Werkstatttage bilden die ersten Glieder der bundesweiten Initiative Bildungsketten , die jungen Menschen in Deutschland einen reibungslosen Übergang von der Schule in den Beruf ermöglichen will.

Zur Verwirklichung der Bildungsketten schließen Bund, Länder und die Bundesagentur für Arbeit landesspezifische Vereinbarungen zum Übergang Schule-Beruf ab. Darin verzahnen die Partner ihre Förderangebote auf der Grundlage eines Gesamtkonzeptes des jeweiligen Landes. Ziel ist, kohärente Strukturen in der Berufsorientierung und im Übergang Schule-Beruf zu schaffen, die alle Jugendlichen individuell fördern und den Fachkräftenachwuchs der Wirtschaft sichern. Die Lösungen – auch die Umsetzung des BOP – sind jeweils landesspezifisch und an die Schulstrukturen angepasst.

Instrument 1: Stärken erkunden in der Potenzialanalyse

Zwei Schüler bei einer Übung der Potenzialanalyse. Kugelbahn aus Papier.

BIBB/BOP, Fotografin: ANNEGRET HULTSCH Photography

In der Potenzialanalyse erkunden die Schülerinnen und Schüler ihre Stärken. Sie legt junge Menschen nicht auf eine bestimmte berufliche Richtung fest, sondern öffnet ihren Blick für Möglichkeiten. Kernelement sind praxisbezogene Einzel- oder Gruppenaufgaben, bei deren Lösung die Jugendlichen durch pädagogische Fachkräfte beobachtet und begleitet werden.

Der stärkenorientierte Ansatz steigert das Selbstbewusstsein und die Bereitschaft, Verantwortung für die eigene berufliche Zukunft zu übernehmen. Die Erkenntnisse aus der Potenzialanalyse können den Schülerinnen und Schülern auch hilfreich dabei sein, die für sie passenden Berufsfelder für die darauffolgenden Werkstatttage auszuwählen.

Mehr Informationen zur Potenzialanalyse

Instrument 2: Berufe entdecken in den Werkstatttagen

In einer Werkstatt selbst etwas herstellen – genau das dürfen die Schülerinnen und Schüler während der Werkstatttage. Zum Beispiel eine Truhe schreinern oder ein Kleidungsstück nähen. Neben Handwerk und Technik können sie auch den Dienstleistungsbereich erkunden, darunter Verwaltung, Gesundheit, Kosmetik, Logistik oder das Hotelfach.

Die Werkstatttage  des Berufsorientierungsprogramms finden nicht in Betrieben, sondern in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) oder vergleichbaren Einrichtungen statt. Diese bieten mit ihren Lehrwerkstätten die ideale Umgebung für die Werkstatttage.

Der Unterschied zu einem Praktikum: Die Jugendlichen stehen nicht „daneben“ und schauen den Mitarbeitenden ihres Praktikumsbetriebs bei der Arbeit zu, sondern sie sind selbst aktiv. Und da sie es sind, die in den Werkstatttagen im Mittelpunkt stehen – und nicht etwa laufende Produktions- oder Geschäftsprozesse – können sie sich in geschütztem Raum selbst ausprobieren. Dabei steht ihnen stets ein erfahrener Ausbilder oder eine erfahrene Ausbilderin unterstützend zur Seite.

Mehr Informationen zu den Werkstatttagen

Das Berufsorientierungsprogramm in den Bundesländern

Das Berufsorientierungsprogramm wird in unterschiedlicher Ausprägung in ganz Deutschland umgesetzt. In den meisten Bundesländern folgen auf die zweitägige Potenzialanalyse die zweiwöchigen Werkstatttage des Berufsorientierungsprogramms. Doch Dauer, Bezeichnung und Ausgestaltung dieser zwei Instrumente können – je nach getroffener Vereinbarung zwischen Bund und Ländern im Rahmen der Initiative Bildungsketten – variieren und von der Bundesrichtlinie abweichen.

Entscheidend ist der Grundgedanke des Programms, der sich als roter Faden durch alle Umsetzungsformen in den Ländern zieht: Die Jugendlichen erkunden spielerisch ihre persönlichen Stärken und probieren verschiedene Berufsfelder in geschütztem Raum und begleitet von erfahrenen Ausbilderinnen und Ausbildern selbst aus.

Welche Bildungseinrichtungen das BOP umsetzen, sehen Sie in unserer Projektlandkarte auf der Seite Das Programm vor Ort. Hier erhalten Sie außerdem Informationen zur landesspezifischen Ausgestaltung des Programms.

Es geht nicht ohne: Schulen und Eltern

Da sich das Berufsorientierungsprogramm im Sinne der Initiative Bildungsketten in das jeweilige schulische Berufsorientierungskonzept integriert, sind neben den Ausbildungsstätten besonders die Schulen als ihre Kooperationspartner eine zentrale  Akteursgruppe. Lesen Sie hier mehr zur Rolle der Schulen.

Auch die Eltern, oft wichtigste Bezugspersonen der am Programm teilnehmenden Schülerinnen und Schüler in Sachen Berufsorientierung, werden in das Programm miteinbezogen. Sie werden im Vorfeld über die Philosophie und den Ablauf des BOP informiert und begleiten ihr Kind oft zu den Feedbackgesprächen. Diese Informationsseite richtet sich direkt an die Eltern.

Geschlecht und Berufsorientierung

Ein Mädchen steht an einer Werkbank und bearbeitet mit einer Feile ein Metallstück.

BIBB/BOP, Fotograf: Robert Funke

Noch immer werden manche Berufe als „typische“ Männer- oder Frauenberufe betrachtet und vom jeweils anderen Geschlecht nicht einmal in Erwägung gezogen. Das Berufsorientierungsprogramm bietet eine geschlechtssensible Berufs- und Studienorientierung an, damit die spätere Berufs- oder Studienwahl der Jugendlichen nicht vom gängigen Geschlechterklischée bestimmt, sondern nach individuellen Fähigkeiten und Interessen getroffen wird. Dabei muss auch die Lebensplanung frühzeitig in die Entscheidungsfindung einbezogen werden.

Die Broschüre „Geschlecht und Berufswahl –  Horizonte erweitern“ gibt einen Einblick in Gender-Strategien von Ausbildungsstätten des Berufsorientierungsprogramms.

Integration durch Ausbildung

Berufsorientierung ist auch für Flüchtlinge ganz besonders wichtig. Sie müssen nicht nur ihre beruflichen Perspektiven, sondern auch unser Bildungssystem und unsere Berufswelt kennenlernen. In den Schulklassen der allgemeinbildenden Schulen können sie am „normalen“ Berufsorientierungsprogramm teilnehmen. In einigen Ländern unterstützt das Berufsorientierungsprogramm im Rahmen von Bildungsketten-Vereinbarungen die Berufsorientierung und das Kennenlernen von Betrieben und älteren Flüchtlingen in beruflichen Schulen.

Ein Ausbilder und eine Schülerin beugen sich über ein Dokument.

Monkey Business - fotolia.com

Zusätzlich hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Jahr 2016 als Teil der Qualifizierungsinitiative „Wege in die Ausbildung für Flüchtlinge“ gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks das Programm „Berufsorientierung für Flüchtlinge“ (BOF) gestartet.