Die Auswahl des Werkstücks - eine didaktische Herausforderung

Der Schminkspiegel oder die Werkzeugkiste in der Holzwerkstatt? So besser nicht. Durch verschiedene Angebote für alle wird den heterogenen Interessen der Jugendlichen am besten Rechnung getragen.

Schülerin und Schüler bei der gemeinsamen Arbeit am Werkstück

Viele Träger wählen mit viel Sorgfalt Werkstücke für die Jugendlichen aus, damit diese am Ende der Werkstattphase ein selbst gefertigtes Artefakt mit nach Hause nehmen können. Nicht selten gibt es ein Beispielwerkstück, das auf die vermeintlichen Interessen von Jungen einerseits und von Mädchen andererseits abgestimmt ist. Bei der Antwort auf die Frage „Wofür interessieren sich Mädchen/Jungen in dem Alter denn?“ besteht die Gefahr, einem Klischee zu erliegen: der Schminkspiegel für die Mädchen oder die Werkzeugkiste für die Jungen in der Holzwerkstatt könnten zum Beispiel Ergebnis einer stereotypen Zuschreibung sein. Diese Art geschlechtsspezifischer Angebote unterstreicht die Differenzen in den Erwartungen an Jugendliche; sie sind gut gemeint, doch realitätsfern und klischeehaft. Alternativ lassen sich mehrere Angebote ohne geschlechtsspezifischen Zuschnitt für alle Jugendlichen machen. Damit kann man den heterogenen Interessen sowie den unterschiedlichen feinmotorischen Fähigkeiten und Vorerfahrungen am besten begegnen. Diese Form der Binnendifferenzierung ermöglicht allen Schülerinnen und Schülern, das für sie Passende zu finden.

Gute-Praxis-Beispiel

In der Textilwerkstatt der Handwerkskammer Mainz entwerfen die Schülerinnen und Schüler in zwei Werkstatttagen ihr eigenes T-Shirt. Sie zeichnen den Entwurf, malen und schneiden die Schablone für die Applikation aus, wählen den geeigneten Stoff, schneiden ihn mit dem Schnittmuster aus und nähen ihn auf das T-Shirt. Hier können die Schülerinnen und Schüler viel Fantasie und unterschiedliche Vorerfahrung einbringen, modellhaft eine berufliche Handlung nachvollziehen und ein sehr individuelles Kleidungsstück mit nach Hause nehmen.