Gelungener Praxis-Workshop zu klischeefreien Werkstatttagen

Im BOP können Jugendliche ihre Talente und Stärken entdecken und sich in unterschiedlichen Berufsfeldern ausprobieren. Doch gerade im Hinblick auf Gendersensibilität gibt es Verbesserungsbedarf. Was bedeutet das für die Ausbilderinnen und Ausbilder?

Teilnehmerin karrikiert Mädchen und Jungen

Schumacher | BOP

27.05.-28.05.2019

Die meisten Jungs mögen Holz oder Metall, Mädchen wollen lieber zu Hauswirtschaft oder Pflege: Viele Jugendliche interessieren sich während der Werkstatttage im Berufsorientierungsprogramm (BOP) für Berufsfelder, die ihren traditionellen Geschlechterrollen entsprechen. Mädchen fühlen sich zudem von den Werkstatttagen weniger angesprochen als Jungen. Dies ergab die langjährige Programmevaluation.

Ziel des BOP ist es jedoch, den Jugendlichen ihre Stärken und Talente bewusst zu machen, sie sich ausprobieren zu lassen und sie zu ermuntern, diese Erfahrungen als Grundlage für die spätere Berufswahl zu nehmen. Geschlechterrollen sollten dabei reflektiert werden und nicht einschränkend wirken. Das BOP möchte sowohl Jungen als auch Mädchen während der Werkstatttage gleichermaßen ansprechen und begeistern, auch in für das jeweilige Geschlecht bisher untypischen Berufsfeldern. Wie kann dies gelingen?

Ende Mai 2019 bot die Programmstelle erstmals einen eineinhalbtägigen Praxis-Workshop zum Thema „Klischeefreie Werkstatttage“ speziell für Ausbilderinnen und Ausbilder und für Projektleitungen in Berufsbildungsstätten an. Mit dem Workshop sollten die Themen Gender und Klischeefreiheit im Zusammenhang mit den Werkstatttagen näher beleuchtet und Impulse für mehr Klischeefreiheit bei der Berufsfeldwahl gesetzt werden. Das Interesse war groß, bereits nach kurzer Zeit waren alle 25 Plätze ausgebucht.

Der Hauptteil des Workshops lag auf praktischen Übungen. Sie wurden durch Fakten und Informationen aus der Genderforschung durch die Dozent*innen Katrin Böhnke, Wissenschaftliche Mitarbeiterin aus der Programmstelle Berufsorientierung und Miguel Diaz, Initiative Klischeefrei, ergänzt. Die Teilnehmenden wurden in den ersten praktischen Übungen zunächst angehalten, ihre eigenen klischeehaften Rollenbilder zu entdecken und sich auch mögliche Stereotype in Bezug auf die Jugendlichen bewusst zu machen. Der Schwerpunkt des zweiten Workshoptages lag auf der Entwicklung konkreter Ansätze für klischeefreie Werkstatttage.

Einige Teilnehmende wiesen darauf hin, dass sowohl die Schule als auch das private Umfeld der Jugendlichen für Klischeefreiheit gewonnen werden müsse, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen. Gerade bei den Eltern sahen viele noch großen Informations- und Beratungsbedarf.

Katrin Böhnke und Miguel Diaz betonten, dass der Abbau von Rollenklischees eine Frage der Haltung sei. Es gebe keine Checkliste oder 10-Punkte-Plan. Dies betreffe die eigene innere Haltung, aber auch die Haltung von Institutionen wie Berufsbildungsstätten gegenüber Fragen der Gleichberechtigung und Chancengerechtigkeit. Diese Haltung müsse immer wieder überprüft und hinterfragt werden, doch das Engagement lohne sich.

Insgesamt zogen die Teilnehmenden ein positives Fazit der beiden Tage und nahmen Impulse, Methoden und neue Erfahrungen mit.

Materialien zum Workshop stehen auf ueberaus.de in der Gruppe „Klischeefreie Werkstatttage im BOP“ zur Verfügung. Die Gruppe richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Berufsbildungsstätten, die am BOP oder vergleichbaren Landesprogrammen teilnehmen. Bei Interesse an einer Aufnahme in die Gruppe registrieren Sie sich bitte zunächst auf ueberaus.de (falls noch nicht geschehen) und gehen über „Community“ und „Gruppensuche“ zur Gruppe. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Margit von Kuhlmann in der Programmstelle Berufsorientierung kuhlmann@bibb.de.