In Bildern und Texten Klischees vermeiden

Auch auf Infomaterialien kommt es an. Denn Klischees in Bildern und Texten tragen zur Verfestigung von Rollenvorstellungen bei, die einer Berufswahl nach Fähigkeiten und Neigungen häufig entgegenstehen.

Klischees in der bildlichen Darstellung vermeiden

Die Werkstätten als Lernräume sind manchmal bestückt mit Postern aus den Gewerken beziehungsweise den Dienstleistungsbereichen, die das Berufsfeld darstellen. Nicht immer sind diese Abbildungen gendersensibel gestaltet; sobald sie Klischees bedienen, tragen sie wiederum zur Verfestigung von Rollenvorstellungen bei, die einer Berufswahl nach Fähigkeiten und Neigungen entgegenstehen.

Sexistische Darstellungen sind (nicht nur) im pädagogischen Kontext unangebracht, Pin-up-Kalender haben in Werkstätten, in denen Schülerinnen und Schüler arbeiten sollen, nichts zu suchen. Aber es gibt viel subtilere Formen der benachteiligenden Darstellung. Schauen Sie sich Abbildung, Poster, Bilder, Fotos, Comics in den Werkstätten an und überprüfen Sie diese auf Klischees.

Diese Fragen helfen bei der Bildanalyse

Wie sind die hierarchischen Rollen auf dem Poster verteilt? Welches Geschlecht hat die Person, die erklärt und anleitet, welches Geschlecht haben die Personen im Publikum? Wer wirkt kompetent, stark und durchsetzungsfähig. Wer steht im Vordergrund, wer steht im Hintergrund? Wer lächelt freundlich und sympathisch? Wer schaut ernst und konzentriert? Wer wirkt jung und unerfahren? Wer reif und überlegen? Wer agiert? Wer schaut zu?

Beispiel für ein Bild mit stereotyper Rollenaufteilung

Robert Kneschke | stock.adobe.com

Beispiel 2 für ein Bild mit stereotypen Rollendarstellungen

Robert Kneschke | stock.adobe.com

Beispiel 3 für ein Bild mit stereotyper Rollendarstellung

Robert Kneschke | stock.adobe.com

Nicht geschlechtergerecht sind Medien, in denen ...

• ein Geschlecht nicht oder allenfalls nur geringfügig sichtbar ist,

• Männer und Frauen in einem hierarchischen Verhältnis abgebildet bzw. beschrieben werden (z.B. der Stationsleiter und die Pflegerin),

• die Fähigkeiten eines Geschlechts trivialisiert oder zu Ungunsten des anderen Geschlechts positiv hervorgehoben werden,

• traditionelle Berufswahlen und Rollenmuster in den Mittelpunkt gestellt oder als Normalität bzw. Selbstverständlichkeit transportiert werden oder

• schlimmstenfalls ein Geschlecht herabgesetzt wird. (1)

Die Programmstelle Berufsorientierung bietet übrigens einige Poster an, die ausdrücklich geschlechtsspezifische Klischees vermeiden:

DIN_A1_BOP_Poster_2019_A 

DIN_A1_BOP_Poster_2019_B 

DIN_A1_BOP_Poster_2019_C

Gendersensible Sprache in Informationstexten

Bei der Vermeidung von Diskriminierung geht es nicht nur um klischeehafte Darstellungen im Bild sondern auch um die Sprache in Informationstexten. Eine Möglichkeit, um Gleichwertigkeit von männlichen und weiblichen Berufsausübenden darzustellen, ist die Nennung beider Genera in den schriftsprachlichen Informationen für Schülerinnen und Schüler. Die zweigeschlechtliche Benennung ermöglicht jedoch nicht die Ansprache von Personen, die sich nicht in der binären Geschlechterordnung positionieren können. Viele Ratgeber zur gendersensiblen Sprachverwendung empfehlen daher das Gendersternchen - oder auch eine geschlechtsneutrale Formulierung:

die Schülerinnen und Schüler die Schüler*innen  die Jugendlichen

Wer sich hiermit intensiver beschäftigen möchte, findet diverse Handreichungen im Netz mit Empfehlungen für einen geschlechtersensiblen und diskriminierungsarmen Sprachgebrauch.

In diesem Dossier haben wir uns für die binäre Variante entschieden, da es hier explizit um die Differenz der geschlechtsbezogenen Zuschreibungen und Klischees, aber auch um die Differenz im Berufswahlverhalten geht, die sich - zum Beispiel statistisch betrachtet -  erst in der binären Darstellung zeigt.

Abgesehen von der formalen Ebene der Sprachgestaltung ist die inhaltliche Ebene noch viel wichtiger bei der Vermeidung von Diskriminierung.

Stereotype Sprachbilder vermeiden

Generell gilt: Stereotype Sprachbilder wie "das starke Geschlecht", „das schöne Geschlecht“, "seinen Mann stehen" oder "sich wie ein Mädchen benehmen" sollten vermieden werden (2)

Formulierungen ... 

..mit genderstereotypen Zuschreibungen ...ohne genderstereotype Zuschreibung
Hier könnt ihr Einblicke in das Arbeitsfeld einer Sekretärin erhalten. Hier könnt ihr Einblick in das Arbeitsfeld der Kaufleute für Bürokommunikation erhalten.
Auf Handwerker ist Verlass! Auf das Handwerk ist Verlass!

Metallbauer ist ein Beruf mit Zukunft!

Metallbauer / Metallbauerin ist ein Beruf mit Zukunft!
In der Küche müssen nicht nur die Mädchen Schürze tragen. In der Küche müsst ihr Schürze tragen.
Für'n Mädchen/Für'n Kerl machst du das richtig gut! Du machst das gut!

Materialien 

Handlungsempfehlungen für eine diversitätssensible Mediensprache (2016)

Die Goethe-Universität in Frankfurt am Main hat sich mit der Frage nach einer angemessenen Repräsentation verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen in Medien auseinandergesetzt. Daraus entstanden ist eine Handreichung mit konkreten Empfehlungen für eine gender- und diversitätssensible Gestaltung von Print-Medien sowie für den Online-Bereich. Der Fokus liegt auf der Bildsprache.

https://www.uni-frankfurt.de/66760835/Diversitaetssensible-Mediensprache.pdf

Geschlechtersensible Sprache - Ein Leitfaden

Der Sprachleitfaden des Koordinationsbüros für Frauenförderung und Gleichstellung der TU Berlin gibt Empfehlungen und praktische Tipps für einen geschlechtersensiblen und diskriminierungsarmen Sprachgebrauch. Auch hier wird die Verwendung des so genannten "Generischen Maskulinums" als ungeeignet für eine gleichbererechtigte Ansprache angesehen

https://www.tu-berlin.de/fileadmin/i31/Publikationen/Weitere/KFG-Sprachleitfaden_DINA5_Ansicht_11012019.pdf


(1) Aus: AWO-Handreichung Gendersensible Berufsorientierung am Übergang Schule-Beruf, S. 23 (in Anlehnung an Österreichischer Gewerkschaftsbund ÖGB, 2007 https://www.awo.org/sites/default/files/2018-01/AWO-Handreichung_Gendersensible%20Berufsorientierung_2015_0.pdf

(2) Vgl. "Geschlechtersensible Sprache, S. 13 https://www.tu-berlin.de/fileadmin/i31/Publikationen/Weitere/KFG-Sprachleitfaden_DINA5_Ansicht_11012019.pdf