Online-Tagung durch Bundesbildungsministerin eröffnet

Bundesbildungsministerin Karliczek eröffnete die erste Online-Tagung des Berufsorientierungsprogramms mit dem Themenschwerpunkt Berufliche Orientierung an Gymnasien.

Bundesbildungsministerin Karliczek im Gespräch auf der BOP-Tagung

BILDKRAFTWERK/Kurc  | BMBF

Im Gespräch mit Moderator Helmut Rehmsen hob die Ministerin hervor, dass sich die Gesellschaft und damit das Bildungssystem in einem Transformationsprozess befinde. Berufe wandelten sich und die Unübersichtlichkeit nehme tendenziell zu. Es gebe nicht mehr den einen richtigen Weg. Umso wichtiger sei es für Jugendliche zunächst, sich selbst über die eigenen Stärken und Fähigkeiten klar zu werden. Diese müssten nicht unbedingt mit dem übereinstimmen, was in der Gesellschaft gerade angesagt sei. „Wir müssen viel deutlicher machen, dass wir Freiheit in der Berufswahl haben“. Diese sei die Basis der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Beides verdiene Anerkennung – dazu müsse aber noch am gesellschaftlichen Mindset gearbeitet werden. Mit Blick auf die Modellprojekte zur Beruflichen Orientierung am Gymnasium sagte die Ministerin, dass der Bedarf an Beruflicher Orientierung am Gymnasium hoch sei. „Wir möchten, dass die Berufsorientierung in den Gymnasien genauso selbstverständlich wird wie an allen anderen Schulen auch.“

Die Berufswahlentscheidung - keine leichte Aufgabe für Schülerinnen und Schüler am Gymnasium

Dass es keine leichte Aufgabe ist, sich beruflich umfassend zu informieren und dann auch noch zu orientieren, wurde anhand einiger Videointerviews mit Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufe deutlich, die über den Status quo ihrer Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium berichteten.

Bei der Frage nach der Verantwortung der Gymnasien für die berufliche Orientierung wurde in der anschließenden Gesprächsrunde kontrovers diskutiert.

Svenja Ohlemann von der Technischen Universität Berlin, vertrat die Ansicht, dass Berufliche Orientierung ein sehr individueller Prozess sei, der individuelle Begleitung benötige. Unsicherheit resultiere aus den unendlichen Möglichkeiten. Lerngelegenheiten sollten an diesen individuellen Interessen anknüpfen. Dafür brauche man an den Schulen systematische und langfristige Begleitung. Dagegen sprach sich Gabriela Kasigkeit, Studienrätin und Vertreterin des Deutscher Philologenverbandes, gegen eine Ausweitung der beruflichen Orientierung an Gymnasien aus. Die Vorbereitung auf eine mögliche (duale) Ausbildung sei nicht Aufgabe der Gymnasien. „Wir betreiben Berufsorientierung am Gymnasium. Aber am Ende steht das Studium.“

Modellprojekt vorgestellt

Konkreter wurde die Vorstellung von Beruflicher Orientierung an Gymnasien mit Blick auf ein Modellprojekt, das in diesem Jahr vom BMBF gefördert wurde. Von seinen konzeptionellen Vorüberlegungen und positiven Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit einem benachbarten Gymnasium berichtete David Schwenen, Campus Handwerk aus Lingen. Die Eindrücke der beteiligten Schülerinnen und Schüler wurden durch einen kurzen Filmclip mit Vor-Ort-Interviews sehr anschaulich.

Als letzter Programmpunkt folgte ein Impulsvortrag von Dr. Regina Flake vom Institut der deutschen Wirtschaft, Köln. Dieser vertiefte den Aspekt, dass junge Menschen nur dann eine fundierte Entscheidung für einen künftigen Beruf treffen können, wenn sie allumfassend und entsprechend ihrer Interessen und Fähigkeiten über alle Wahlmöglichkeiten informiert sind. Doch nur 39 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Gymnasium fühlen sich gut informiert über mögliche Ausbildungswege. Angebote für leistungsstarke Schüler müssten stärker sichtbar gemacht werden. Häufig sei auch die Aufstiegsfortbildung nicht im Bewusstsein. „Wir müssen alle unterstützen, informierte Entscheidungen zu treffen.“