Qualitätsstandards Potenzialanalyse 2020

Anforderungen bei der Durchführung von Potenzialanalysen im Anschluss an die Werkstatttage im Rahmen einer zeitlich befristeten Ausnahmeregelung unter den Rahmenbedingungen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie.

Im Folgenden lesen Sie die Qualitätsstandards des BMBF zur Durchführung von Potenzialanalysen zur Berufsorientierung 2020; diese genannte Ausnahmeregelung gilt bis zum 31.12.2020.

Hintergrund

Gemäß Nr. 4.1. der Richtlinien für die Förderung der Berufsorientierung in überbetrieblichen und vergleichbaren Berufsbildungsstätten (Berufsorientierungsprogramm des BMBF – BOP) vom 18. November 2014 und 11. Dezember 2018 können Potenzialanalysen nur gefördert werden, wenn sie vor den Werkstatttagen durchgeführt werden. Ist dies nicht der Fall, sind auch die Werkstatttage nicht förderfähig.

Die aktuellen Auflagen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie haben zu einer Ausnahmesituation bei der Durchführung von Maßnahmen für Schülerinnen und Schüler geführt. Aus diesem Grund ist es in begründeten und durch die Bewilligungsbehörde (BIBB) genehmigten Fällen zulässig, im Haushaltsjahr 2020 von dieser Regelung abzuweichen und die Potenzialanalyse im Anschluss an die Werkstatttage durchzuführen.

Die Potenzialanalyse bekommt dadurch inhaltlich einen anderen Charakter, weil die Jugendlichen bereits ihre praktischen Erfahrungen aus den Werkstatttagen mitbringen. Deswegen ist das Konzept der Potenzialanalyse, wenn sie im Anschluss an die Werkstatttage stattfinden soll, wie folgt anzupassen bzw. zu ergänzen:

1. Reflexionseinheit in der Gruppe zu Beginn der Potenzialanalyse

Zu Beginn der Potenzialanalyse ist eine ca. 60minütige Reflexionseinheit in der Gruppe einzuplanen, die zum Ziel hat, die Erfahrungen aus den Werkstatttagen noch einmal aufzugreifen und daraus individuelle Ziel- und Fragestellungen für die Potenzialanalyse abzuleiten. Die Methode ist so zu wählen, dass jeder Schüler/jede Schülerin

- für sich benennen kann, was seine/ihre wichtigsten Erkenntnisse aus den Werkstatttagen waren, welche Stärken und Interessen sich dort herausgestellt haben und für welche Tätigkeiten diese wichtig sind.

- für sich Fragestellungen und/oder Ziele formuliert, die er/sie im Rahmen der Potenzialanalyse in den Blick nehmen möchte.*

Beispiel: Ein Schüler/eine Schülerin hat bei den Werkstatttagen das Berufsfeld Metall besonders viel Spaß gemacht. Über Fragen wird in der Kleingruppe herausgearbeitet, welche Tätigkeit genau besonders viel Spaß gemacht hat, welche Fähigkeiten gebraucht wurden und wo diese in der Potenzialanalyse weiter erprobt werden können.

- Die Reflexionseinheit soll Phasen der Einzelarbeit, pädagogisch begleitete Kleingruppenarbeit und Gespräche im gesamten Klassenverband verknüpfen.  Die Ergebnisse dieser Reflexionseinheit sollen individuell dokumentiert werden.


Bei Einsatz von Videotagebüchern bei den Werkstatttagen können diese als Grundlage für die Reflexionseinheit verwendet werden.

2. Kurze Auswertungsphasen nach jeder Aufgabenstellung oder eine längere Reflexionsphase jeweils zum Tagesabschluss

Nach jeder Aufgabenstellung oder zum Tagesabschluss soll jeder Schüler/jede Schülerin die Gelegenheit erhalten, kurz zu reflektieren, welche individuellen Schlussfolgerungen er/sie aus der jeweiligen Aufgabe zieht und wie diese im Zusammenhang mit den Erfahrungen aus den Werkstatttagen stehen. Dies sollte in durch die pädagogischen Fachkräfte begleiteten Kleingruppen erfolgen und vom Schüler/von der Schülerin dokumentiert werden.

3. Erkundung von beruflichen Interessen und Neigungen

Zur Erkundung beruflicher Interessen und Neigungen ist eine Methode zu wählen, die Bezüge zu den Erfahrungen aus den Werkstatttagen ermöglicht. Der Einsatz eines Interessentests ist möglich in Kombination mit einer guten Vor- und Nachbereitung in Kleingruppen.

4. Prozessdokumentation

Die Erkenntnisse der Reflexionseinheit und der Auswertungsphasen sollen durch die Schülerinnen und Schüler individuell dokumentiert werden. Eine Möglichkeit dafür ist, den Selbsteinschätzungsbogen für die Schülerinnen und Schüler so anzupassen, dass diese zusätzlichen Angaben abgebildet werden können.

5. Auswahl der Aufgaben

Anzahl und Umfang der Aufgaben sind so anzupassen, dass für die unter 1) - 3) beschriebenen Elemente ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Das führt zu einer Reduktion des Umfangs der handlungsorientierten Aufgaben. Die handlungsorientierten Aufgaben sind so zu wählen, dass Überschneidungen mit Aufgaben aus den Werkstatttagen vermieden werden.

Der Betreuungsschlüssel für 1) - 3) entspricht dem Schlüssel für handlungsorientierte Aufgaben von 1:4.

6. Gestaltung des Reflexionsgesprächs

Im Reflexionsgespräch soll der Schüler/die Schülerin und seine/ihre eigenen Schlussfolgerungen im Mittelpunkt stehen. Neben der Besprechung der Ergebnisse sollen dabei auch thematisiert werden,

- wie der Schüler/die Schülerin seine individuellen Fragestellungen und/oder Ziele in der Potenzialanalyse bearbeiten konnte.

- und wie die erkundeten beruflichen Interessen und Neigungen im Zusammenhang mit den beobachteten Kompetenzen stehen.

Das Gespräch ist mit einer gemeinsamen Zielformulierung abzuschließen, in der die/der Jugendliche selbst benennt, was er/sie sich auf Grundlage der Erkenntnisse aus PA und WT für die nächsten Wochen vornimmt und in welchem Bereich die nächste Praxiserfahrung (z.B. Betriebspraktikum) stattfinden könnte.

Zur Prüfung der Anpassungen im Konzept sind folgende Informationen einzureichen:

- Angepasster Ablaufplan der Potenzialanalyse

- Kurzbeschreibung der Umsetzung der Punkte 1-6

- Für die Umsetzung der Punkte 1-6 eingesetzte Dokumente

7. Nachgelagerte PA in Ländern mit Durchführung durch Lehrkräfte (BW, HE, RP)

Die Durchführung von PA nach den WT ist dann möglich, wenn durch die teilnehmenden Schulen bestätigt wird, dass nachgelagerte PA nach den o.a. Vorgaben abgeändert und durchgeführt werden.


Die oben genannte Ausnahmeregelung gilt bis zum 31.12.2020.
 

Ansprechpartnerin

Carolin Kunert
Tel.: 0228 / 107 - 1318
E-Mail: kunert@bibb.de