Rolle der pädagogischen Fachkräfte

Als pädagogische Fachkraft wirken Sie im Gespräch darauf hin, dass die Jugendlichen sich ihrer individuellen Stärken und Wünsche in Bezug auf eine zukünftige berufliche Tätigkeit bewusstwerden und konkrete Pläne für einen Weg dorthin entwickeln.

Ein Schüler und seine Mutter im Feedbackgespräch mit einem Ausbilder.

Berufsorientierungsprogramm des BMBF / ANNEGRET HULTSCH Photography

Ziel der Reflexionsgespräche ist, dass die Jugendlichen angeregt werden, über sich selbst nachzudenken. Ihre Rolle als pädagogische Fachkraft besteht darin, die Schülerinnen und Schüler in diesem Prozess sensibel zu begleiten. Unterstützen Sie die Jugendlichen im Gespräch dabei, ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus der Potenzialanalyse oder den Werkstatttagen zu verarbeiten und einzuordnen.

Sie sollten sich stets bewusst sein: Die Schülerinnen und Schüler sind die besten Expertinnen und Experten für ihren Werdegang und sollen selber herausfinden, was für sie richtig ist. Halten Sie sich daher mit Bewertungen zurück, schlüpfen Sie auch nicht in die Rolle einer Berufsberaterin oder eines Berufsberaters. Ob ein Berufswunsch für eine Schülerin oder einen Schüler gut ist oder nicht, muss sie oder er selbst entscheiden.

Wichtig ist, dass Sie den Jugendlichen mit Wertschätzung und Empathie begegnen, sich an ihren Möglichkeiten orientieren und ihnen Mut zusprechen. Für erfolgreiches Lernen sind das die besten Voraussetzungen.

Zurückhaltung mit Lösungsvorschlägen

Gehen Sie behutsam mit Lösungsvorschlägen um. Sie haben den Nachteil, dass die Schülerinnen und Schüler sie als bevormundend empfinden und daher zurückweisen.

Manchmal kann es jedoch sinnvoll sein, Lösungswege anzubieten, Ratschläge zu erteilen oder Aufgaben zu formulieren. Es müssen jedoch bestimmte Bedingungen erfüllt sein, damit diese Form der Unterstützung bei den Schülerinnen und Schülern ankommt. Hier ein paar Tipps, worauf Sie als pädagogische Fachkraft achten sollten:

  • Formulieren Sie Lösungsvorschläge als Angebot und überlassen Sie die Entscheidung dem Schüler oder der Schülerin.
  • Machen Sie nicht zu viele Vorschläge, und überfordern Sie Ihr Gegenüber nicht mit Ideen.
  • Drücken Sie sich verständlich aus, und vermeiden Sie Belehrungen.
  • Signalisieren Sie Bereitschaft, Ihre Vorschläge auch wieder zurückzunehmen.
  • Seien Sie bereit, Ihre Vorschläge zu verwerfen, wenn die Vorbehalte auf der anderen Seite zu groß sind.
  • Formulieren Sie Ihre Vorschläge so, dass die Schülerin oder der Schüler sie als Ermutigung empfindet.

(Widulle 2012; vgl. Gesprächsführung in der Sozialen Arbeit. Grundlagen und Gestaltungshilfen, S. 104, 111)

Der Blick auf sich selbst

Beobachtungen und Interpretationen sind immer subjektiv. Sie werden von den eigenen Persönlichkeitsanteilen und biografischen Erfahrungen und Wertüberzeugungen beeinflusst. Wer erfolgreich Feedback geben und andere in einem Reflexionsprozess begleiten will, sollte vorher immer einen Blick auf sich selbst und auf die eigene Haltung werfen. Dabei kann es hilfreich sein, sich folgende Fragen zu stellen:

  • Was bringe ich an eigenen Deutungen mit ein?
  • Welche (unbewussten) Einflussfaktoren sind im Gespräch von Bedeutung und sollten immer mitgedacht werden?

Man kann nicht nicht kommunizieren

Paul Watzlawick formulierte den bekannten Satz „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Er geht davon aus, dass Kommunikation stattfindet (gewollt oder ungewollt), sobald sich Menschen wahrnehmen. Laut Watzlawick ist es also unmöglich, keine Signale oder Informationen von sich zu geben. In der Kommunikation zwischen Menschen kommt es immer wieder zu Missverständnissen. Damit Reflexionsgespräche gelingen, ist es hilfreich zu wissen, wie Kommunikation funktioniert und wie Sie Fallstricke vermeiden können.

Mit welchen Mitteln kommunizieren wir?

Kommunikation bedeutet dabei nicht zwangsläufig Reden, denn jedes Verhalten in einer zwischenmenschlichen Situation übermittelt Informationen. Neben der verbalen Kommunikation gibt es viele weitere Aspekte, die die Kommunikationssituation beeinflussen. Dazu zählen zum Beispiel Mimik, Gestik und Körperhaltung (nonverbale Kommunikation), aber auch Tonfall oder Lautstärke (paraverbale Kommunikation). Der Abstand zwischen den Gesprächspartnern, Augenkontakt oder die äußere Erscheinung spielen im Gespräch ebenfalls eine Rolle.

In der Regel helfen die auf diesen Wegen übermittelten Zusatzinformationen, die Mitteilung zu interpretieren. So vermittelt die nonverbale Kommunikation zum Beispiel die Gefühle und Einstellungen der Gesprächspartner.

Wenn verbale und nonverbale Kommunikation nicht zusammenpassen, kann es zu Missverständnissen und Störungen kommen. Dabei sollte man auch nicht vergessen, dass gerade Mimik und Gestik jeweils in einen kulturellen Kontext eingebunden sind.

Die Handreichung „Feedback und Reflexionsgespräche – Anregungen für pädagogische Fachkräfte in der Berufsorientierung“ vertieft den Aspekt der Kommunikation ausführlich.