Workshop „Gemeinsam mit Schule die Eltern ins BOP einbinden“

Insgesamt 96 Bildungsträger folgten der Einladung sich im Rahmen der Themenworkshops des Berufsorientierungsprogramms (BOP) des BMBF gemeinsam mit Schulvertretern zum Thema „Gemeinsam mit Schule die Eltern ins BOP einbinden“  auszutauschen.

Die Workshops in Dresden und Bonn fanden in Fortsetzung der Workshops aus dem vergangenen Jahr (Hamburg und München) statt. Eine inhaltliche Erweiterung um den Faktor Schule wurde bereits mit der Themenwahl aufgezeigt und der unmittelbaren Einbindung von Lehrkräften wirksam.

Beide Veranstaltungen wurden nach dem gleichen bewährten Workshop-Konzept  des Vorjahres gestaltetet.  Der Vormittag stand nach einer thematischen Einführung durch Silvia Hofmann und Carolin Kunert, beide aus dem BOP-Team im BIBB, ganz im Zeichen der Praxisbeispiele. Am Nachmittag setzen sich die Teilnehmer in Kleingruppen nach der World Cafe Methode intensiv mit speziellen Fragestellungen auseinander.

In beiden Workshops spielte wiederholt der Austausch zu den Möglichkeiten der Erreichbarkeit der Eltern eine wichtige Rolle.  Dieser Frage hatten sich bereits die Teilnehmer in den Workshops in Hamburg und München im Vorjahr gestellt.

Impulsvorträge DRESDEN

In Dresden stellte Ralf Zschau den Ausbildungsatlas „INSIDER“ vor, der durch die Koordinierungsstelle Görlitz entwickelt wurde. Die Koordinierungsstelle Görlitz wurde nach dem Auslaufen des Projektes des Regionalen Übergangsmanagements im Rahmen der Perspektive Berufsabschluss unmittelbar beim Landkreis installiert. Sie versteht sich als Schnittstelle zwischen Schule und Beruf und bringt die Akteure dieses komplexen Bereiches an einen Tisch.  Der im Beitrag vorgestellte Atlas erschien 2014 bereits in dritter Auflage und ist stark nachgefragt. Dieses Instrument bietet für Eltern und Schüler/-innen wichtige Informationen bei der Suche nach einem Ausbildungsberuf bzw. Studienplatz und beantwortet viele weitere Fragen rund um die Ausbildung. Es stellen sich über 100 Unternehmen aus dem Landkreis mit ihren Ausbildungsberufen und dahinter liegenden eigenen spannenden  INSIDER-Geschichten vor. Das wertvolle daran ist, dass die Schüler/-innen hierdurch Informationen und Kenntnisse   erhalten, die sonst kein Außenstehender außerhalb dieser Unternehmen erfährt. Jedem Schüler/jeder Schülerin der Abgangsklassen steht ein kostenloses Exemplar zur Verfügung. Darüber hinaus ist der Katalog aber auch in den Schulen erhältlich, ebenso im Jobcenter wie auch in der Koordinierungsstelle. In einem unterhaltsamen Vortrag  führte Ralf Zschau durch die Präsentation dieses gelungenen Ergebnisses der Zusammenarbeit  der beteiligten Akteure.

Koordinierungsstelle Görlitz: Elternarbeit - Ein Drahtseilakt?

Dieser Vortrag steht Ihnen auf überaus (Community –> Gruppe Berufsorientierungsprogramm –> Dateiablage) zum Download zur Verfügung.

Im Anschluss stellte Frau Schwaar die Arbeit des schon lange im BOP arbeitenden Träger, Nestor Bildungsinstitut GmbH, die Entwicklung der Elternarbeit im Landkreis Görlitz im Rahmen des BOP. Hier ist  besonders hervorzuheben, dass es dem Träger gelingt, eine hohe Teilnahme der Eltern bei den Rückmeldegesprächen nach den Potentialanalysen zu erreichen. Der Träger arbeitet mit 14 Schulen zusammen. Das Erfolgsrezept  dabei ist, dass der Träger die Eltern persönlich einlädt und Sprechzeiten von 07:00 Uhr bis 21:00 Uhr anbietet, also den jeweiligen zeitlichen Möglichkeiten der Eltern angepasst.

Nestor Bildungsinstitut GmbH: Berufsorientierungsprogramm des BMBF

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Impulsvorträge BONN

In Bonn stellte Mireille Oberkönig von der agentur mark die Aktivitäten zur Elternarbeit des Regionalen Übergangsmanagements Schule, Ausbildung und Beruf (HagEN) für die Stadt Hagen und den Ennepe-Ruhr-Kreis vor.  In Zusammenarbeit des Fachforums Elternarbeit und der Kompetenzagentur LotsEN wurde ein Leitfaden („Ein roter Faden“) für Lehr- und Fachkräfte zur Zusammenarbeit mit Eltern entwickelt. Frau Oberkönig erläuterte das Konzept und die Entstehung  des Leitfadens und stellte exemplarisch zwei wichtige Instrumente daraus vor, die auch von Trägern im Rahmen des BOP genutzt werden können: Den Fragenbogen und die Prozessradare.  Eine zentrale Erkenntnis im Erarbeitungsprozess des Leitfadens war – unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der Sinius-Milieu-Studie – der Abschied von „den Eltern“.  So gehört immer auch eine Zielgruppenanalyse zu einer erfolgreichen Elternarbeit.  Abschließend stellte Frau Oberkönig weitere zentrale Gelingensfaktoren für die Elternarbeit heraus. Nach der Beendigung des RÜM HagEN führen die Mitglieder des Fachforums die Arbeiten im Rahmen der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ fort.

agentur mark – Eltern einbeziehen: Erfahrungen und Hinweise aus dem Regionalen Übergangsmanagement & BOP

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In die Entwicklung des Leitfadens waren zwei Modellschulen involviert, darunter die Fritz-Reuter-Schule, eine Förderschule der Stadt Hagen. Susanne Schulte, Lehrerin der Fritz-Reuter-Schule, veranschaulichte im zweiten Impulsvortrag die schulischen Aktivitäten der Elternarbeit am Beispiel eines Elternabends, bei dem neue Wege zur Erreichbarkeit von Eltern ausprobiert wurden. Wichtige Erfolgsfaktoren waren hier die Beteiligung verschiedener Akteure, die enge Einbeziehung der Schüler/-innen in die Gestaltung  sowie ein offener Rahmen und Zeit für persönliche Gespräche.

Zum Abschluss stellte dann Uwe Becker von der Ev. Jugendhilfe Hagen-Iserlohn als Trägervertreter das Thema noch in den Kontext des BOP. Das BOP wird in der Region Hagen/Enneppe-Ruhr-Kreis in einem Trägerverbund umgesetzt, der durch die Ev. Jugendhilfe Hagen-Iserlohn koordiniert wird. Dieser Trägerverbund ist eng einbezogen in die Aktivitäten des vormaligen RÜM HagEN (jetzt Kommunale Koordinierung) und war in diesem Kontext auch in die regionalen Überlegungen zur Elternarbeit einbezogen. Zentrale Elemente der Elternbeteiligung im Rahmen des BOP sind neben Informationsmaterialien vor allem der Elternabend und die Teilnahme der Eltern an Rückmeldegesprächen, die im Trägerverbund eine sehr wichtige Rolle spielen. Das Interesse von Eltern am Berufsorientierungsprozess ihrer Kinder aufzugreifen und sie an diesem Prozess teilhaben zu lassen, ist Grundlage der Zusammenarbeit. Durch den hohen Stellenwert der Rückmeldegespräche konnte im Laufe der Zeit an einigen Schulen Beteiligungsquote von 80-100% erreicht werden.  Voraussetzung für diese hohe Beteiligung ist auch, die Schulen bei der Einbeziehung konsequent in die Verantwortung zu nehmen: Die Einladungen an die Eltern erfolgen in der Regel direkt durch die Schulen.

Evangelische Jugendhilfe Hagen: Gemeinsam mit Schulen die Eltern ins BOP einbeziehen

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Anschließend fand eine Diskussionsrunde zu den Impulsvorträgen statt.

World-Cafè am Nachmittag

Am Nachmittag arbeiteten Teilnehmer/-innen in zwei Gruppen  mit der Methode „World Cafe“  weiter, um die vielfältigen Aspekte des Themas zu beleuchten. Die Teilnehmer/-innen hatten nach einer Bedarfsabfrage für den Austausch zu folgenden Fragestellungen entschieden:

Was bewegt Eltern sich zu beteiligen? (Bewusst auch aus ganz persönlicher Perspektive diskutieren)

  1. Welche Rahmenbedingungen (Uhrzeiten, Anbindung an andere Themen, etc.) benötigen Eltern?
  2. Was ist auf der persönlichen Ebene/Beziehungsebene wichtig? Wie kann eine partnerschaftliche Zusammenarbeit angestoßen werden?
  3. Welche Inhalte interessieren? Und warum?


Welche Rolle haben Träger/Welche Rolle haben Schulen bei der Einbindung von Eltern ins BOP?

  1. Welche gegenseitigen Erwartungen gibt es? („Wunschliste“)
  2. Was kann das BOP leisten?
  3. Welche Voraussetzungen bedarf es in der Kooperation zw. Schule und Träger?


Welche Instrumente/Herangehensweisen an Elternarbeit haben sich im BOP bewährt?

  1. Welche „erfolgreichen“ Instrumente haben Sie bereits entwickelt? Von welchen Highlights können Sie berichten?
  2. Exotische Sondermaßnahmen vs. gut etablierte Klassiker
  3. Was ist in welcher Umsetzungsphase des BOP zu beachten?

Im Anschluss an Diskussionen wurden alle Ergebnisse nochmal „begutachtet“ und aus der Sicht der TN die wichtigsten Ergebnisse herausgestellt.


Die wichtigsten Ergebnisse der Diskussionen in Dresden und Bonn sind im Folgenden kurz zusammengefasst:

Die Grundsteine für eine erfolgreiche Einbeziehung von Eltern in das BOP durch die Träger werden langfristig gelegt. Bereits durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld können Träger sich und die aufeinander Prozesse der frühen Berufsorientierung bekannt machen und dadurch die Offenheit für eine spätere gute Zusammenarbeit steigern. Wichtig dabei ist auch, dass die Eltern bereits im Vorfeld auf ihre festen Ansprechpartner/-innen im BOP treffen.  In der Vorbereitung des BOP hat sich auch der Einsatz von „Multiplikatoren“ bewährt. Gemeint sind damit BOP-Schüler/-innen und Eltern der Vorjahre, die  – z.B. im Rahmen eines Filmes, bei Schulveranstaltungen oder  am Tag der offenen Tür - den „Neuen“ von ihren Erfahrungen berichten. Ebenso bewährt sind feierliche Abschlussveranstaltungen bei den Werkstatttagen. Beteiligungsfördernd ist es, wenn es gelingt die Eltern über den „Stolz“ auf ihr Kind zu erreichen. Gut vorbereitete Elternabende -möglichst eingebunden in  einen normalen Elternabend- sind mittlerweile aus der Vorbereitung auf die Durchführung des BOP nicht mehr wegzudenken. Aufgabe der Einladungen -in der Regel per Elternbrief  oder Klassenleiterstunde - ist es, den Eltern den Mehrwert dieses Instruments  für die Begleitung ihrer Kinder in diesem Prozess  so deutlich zu machen, dass diese Klarheit haben, worin die Aufgabe des Elternabends besteht: in der Weitergabe von wichtigen Informationen zum Berufsorientierungsorientierungsprogramm, zur Berufsorientierung und  zur  Unterstützung ihrer Kinder zu diesen Themen, die sonst  in dieser Art und Weise so kompakt nicht  erhältlich sind. Elternabende in den Werkstätten, das Vorstellen von Werkstücken oder das Durchführen von Übungen aus der Potenzialanalyse veranschaulichen die Inhalte des BOP und machen neugierig.  Die Rückmeldegespräche sollten zeitlich flexibel und individuell angeboten werden und/oder mit anderen Schulveranstaltungen verbunden werden. In den Gesprächen sollen die Eltern für die Kompetenzen ihrer Kinder sensibilisiert werden. Dafür ist ein konsequent wertschätzendes und stärkenorientiertes Vorgehen notwendig. Die Rückmeldungen erfolgen präzise auf der Grundlage des gezeigten Verhaltens.

Natürlich spielen auch der Stellenwert des BOP und der Berufsorientierung und der Stand der Elternarbeit an den Schulen eine wichtige Rolle für die erfolgreiche Einbeziehung der Eltern ins BOP. Voraussetzung dafür sind langfristige, konstante Kooperationsbeziehungen im Rahmen des BOP. Dazu gehört auch, die Lehrkräfte im Vorfeld zuverlässig und gut zu informieren sowie anzuregen, das BOP in verschiedenen Fächern aufzugreifen. Weitere Aspekte für die erfolgreiche Umsetzung sind  die Transparenz und das Nachhalten der Kommunikationswege zwischen den einzelnen Akteuren für ein systematisches Ineinandergreifen der Instrumente (z. B. kommt der Elternbrief der Schule /des Trägers überhaupt an?).Idealerweise ist das BOP im Lehrplan/Berufsorientierungskonzept der Schule verankert.  Alle Partner müssen ein Team bilden und 100% hinter dem BOP stehen.